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Einige von Ihnen erinnern sich: Nachdem ich über 50 Kilo abgenommen hatte, ging es mit meiner Gewichtsabnahme plötzlich nicht mehr weiter. Und ich fragte mich: Warum nehme ich nicht ab? Zwar konnte ich mein Gewicht halten. Doch ich wollte weiter abnehmen – und zwar über 80 Kilo. Glauben Sie mir, eine blöde Situation, vor allem, wenn man öffentlich über sein Projekt «Abnehmen» schreibt.

So machte ich, was ich während meines Abnehmens schon immer machte, wenn ich irgendwo nicht weiterkam: Ich schrieb einen Artikel über die Frage «Warum nehme ich nicht ab» und mir den Frust von der Seele. Ich dachte, so klappt es.

Beim Abnehmen versagte mein übliches Vorgehen

Doch irgendwie hatte diesmal das Artikel-Schreiben nicht den gewünschten Effekt. Und dies, obwohl ich seit meinem Artikel «Gewichtsstillstand» die Einsicht hatte, woran es lag: Es war nicht irgendein mysteriöser, unerkannter Umstand, sondern die Summe der Ausnahmen und Unterlassungen. Da etwas weniger Bewegung, dort eine kleine Süßigkeit mehr – die Summe macht’s.

Warum nehme ich nicht ab? Nicht zuletzt, weil ich mich nicht mehr regelmäßige bewegt haben. Ob Spaziergänge in freier Natur, Schwimmen oder Fitnessstudio: Wichtig ist einfach, Bewegung konsequent ins tägliche Leben mit einzubeziehen.
Warum nehme ich nicht ab? Nicht zuletzt, weil ich mich nicht mehr regelmäßige bewegt haben. Ob Spaziergänge in freier Natur, Schwimmen oder Fitnessstudio: Wichtig ist einfach, Bewegung konsequent ins tägliche Leben mit einzubeziehen. Photo by Susan Rothenberger

Zusätzlich spielte mein verminderter Energiebedarf aufgrund meiner Gewichtsabnahme eine Rolle: Ob ich 180 Kilo Lebendgewicht durchs Leben tragen muss oder nur noch 125, spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Die Zeit der übergroßen Portionen war vorbei. Dazu hatte ich auch mein Bewegungsverhalten nicht angepasst.

Trotzdem schien mir einfach der Wille zu fehlen, konsequent weiterzumachen. Es war, als ob alle Schalter im Kopf auf «Stopp» gestellt waren. Woher hatte ich zuvor die Motivation genommen? Wie hatte dies passieren können? Wie gewohnt suchte ich nach Antworten. Oder waren es vielmehr Entschuldigungen? Als ich über den berühmten oft fehlenden «Klick» im Kopf las, dachte ich die Antwort gefunden zu haben.

Warum der «Klick» im Kopf so wichtig ist

Meine Recherche sowie auch meine eigenen, früheren Erfahrungen zeigten auf, dass dieser «Klick» im Kopf immer mit Gefühlen verbunden ist. Scham darüber, wie man auf einem Foto aussieht oder Betroffenheit über eine verletzende Bemerkung, scheinen genügend Energie auszulösen, endlich etwas zu ändern. Selbst wenn die Nachhaltigkeit der Veränderung oft nicht von Dauer ist.

Oft wird uns erst über ein Foto bewusst, wie dick wir sind. Unser Selbstbildnis stimmt oft nicht mit der Wirklichkeit überrein. Die Scham darüber kann zu einem «Klick-Erlebnis» führen.
Oft wird uns erst über ein Foto bewusst, wie dick wir sind. Unser Selbstbildnis stimmt oft nicht mit der Wirklichkeit überein. Die Scham darüber kann zu einem «Klick-Erlebnis» führen. Photo by Andrea Rothenberger

Ich bin überzeugt, dass so individuell wie wir Menschen sind, so unterschiedlich die Auslöser sein können. Wichtige Voraussetzungen sehe ich in meiner Bereitschaft, Veränderungen zu wollen. Dazu kommt, dass ich das Erreichen meines Zieles als Priorität festlege. Und dann wieder Schritt für Schritt auf dieses Ziel hinarbeite.

Mein persönliches «Klick-Erlebnis»

In dieser Zeit hatte ich über einen «unbequemen» Freund, mein eigenes «Klick-Erlebnis»: Als er mich traf, stellt er fest: «Du hängst wieder?» Ich bejahte und sagte ehrlich, dass ich im Moment wieder enorme Kämpfe mit mir selbst hätte. Wider besseren Wissens würde ich mir mal da, mal dort, nachgeben.

Daraufhin forderte er mich heraus: «Bis in drei Monaten nehmen wir beide 15 Kilo ab». Wir besiegelten unseren Deal mit Handschlag und fast vermeinte ich, den «Klick» in meinem Kopf zu hören.

Diese verbindliche Abmachung mit Stichdatum gab mir den Schub, den ich in diesem Moment brauchte um wieder konsequent weiterzumachen. Und es bestätigte mir wieder einmal mehr, wie wichtig für mich persönlich beim Abnehmen wohlwollende Unterstützung ist.

Beschönigen hilft beim Abnehmen nicht

Ich dachte, ich hätte die Antwort auf «Warum nehme ich nicht ab?» gefunden und schrieb über meine Recherche und meine eigene Wahrnehmung meines «Klick-Moments» einen Artikel. Wie gewohnt ließ ich ihn gegenlesen, hatte mich die Erfahrung gelehrt, wie wichtig für mich jemand ist, der mir kritisch den Spiegel hinhält und hinterfragt.

Die Bemerkungen und Hinweise auf dem Manuskript machten mir auf einen Schlag klar, dass ich vieles schön geredet habe.
Die Bemerkungen und Hinweise auf dem Manuskript machten mir auf einen Schlag klar, dass ich vieles schöngeredet habe. Photo by Urs Schlegel

Als ich ihn zurückbekam, lachte ich laut heraus: Die Bemerkungen und Hinweise machten mir auf einen Schlag klar, dass ich mich selbst wunderschön an der Nase herumgeführt hatte. Mein «Klick-Moment» hatte mir zwar wieder den Willen gegeben, mein Verhalten wo nötig zu verändern. Dass es jedoch überhaupt zu einem langen Gewichtsstillstand hatte kommen können, hatte ich mir durch mein inkonsequenten Verhalten selbst eingebrockt. Die Antwort auf die Frage «Warum nehme ich nicht ab?» war viel einfacher: Ich hatte meine eigenen Ratschläge ignoriert.

Die unerwünschte «Fähigkeit», sich selbst zuviel nachzugeben

Obwohl ich erkannt hatte, dass ich meine Portionen meinem jetzigen Gewicht anpassen sollte, hatte ich nichts unternommen. Genauso fand ich oft eine Ausrede, wieso ich mein geplantes Schwimmen im Hallenbad nicht durchzog: Mal waren es gereizte Augen, mal zu viel Arbeit. Irgendeine Ausrede fand ich fast immer. Hatte ich nicht selbst im Artikel Gewohnheiten ändern, gewarnt, dass die größte Gefahr darin bestehe, sich nicht konsequent an die neuen Gewohnheiten zu halten? 

Ich schrieb:

«Jeder kann mal eine schwache Minute haben und anders als geplant handeln. Nur ist es wichtig, sofort wieder in die neu zu lernende Routine überzugehen. Studien zeigen, dass ein einmaliges «Versagen» oder einen Tag auslassen noch nicht den Erfolg verhindert. Wenn Sie jedoch gleich mehrere Male hintereinander sich nicht daran halten, sieht es anders aus: Dann müssen Sie meist wieder von ganz vorne beginnen.»

Ups, das tut weh: Wenn ich mich nur selbst immer an meine eigenen Ratschläge halten würde, hätte ich viel gewonnen. Doch hatte ich sie – ob bewusst oder unbewusst – positiv verdrängt und mir beim Umsetzen immer wieder Löcher aufgemacht. Allein, so komme ich nicht weiter. Wenn ich bereit bin, mir immer wieder nachzugeben, werde ich mein Ziel von über 80 Kilo dauerhaft abnehmen nicht erreichen. 

Endlich abnehmen: Der erste Schritt zum Ziel

All dies hatte ich anscheinend positiv verdrängt. Doch zu erkennen, wo etwas schiefläuft, bietet die Chance, es zu ändern. So werde ich Schritt um Schritt wieder neue gute Gewohnheiten bilden und diese konsequent und kontinuierlich umsetzen. Und mir dabei nicht bei jeder Gelegenheit ein Schlupfloch lassen und nachgeben.

Durch die Wahl kleinerer Teller fällt es mir leicht, kleinere Portionen zu essen.
Auch zu grosse Portionen können Antwort auf die Frage «Warum nehme ich nicht ab?» geben. Durch die Wahl kleinerer Teller fällt es mir leicht, kleinere Portionen zu essen. Photo by Susan Rothenberger

Als erster Schritt habe ich begonnen, aus kleinen Tellern meine Mahlzeiten zu essen. Dadurch bekomme ich ein neues Gefühl bezüglich der benötigten Nahrungsmenge und stelle erstaunt fest, wie wenig ich gegen früher brauche, bis ich satt bin. Und im Anschluss ans Essen fühle ich mich einfach besser.

Warum nehme ich nicht ab?

Die Gründe zu «Warum nehme ich nicht ab?» sind schnell gefunden. Der eine Teil kann ich unter mangelnde Konsequenz zusammenfassen. Der andere ergibt sich dadurch, dass ich schon über 50 Kilo abgenommen habe, dies jedoch noch nicht in meinem täglichen Leben umgesetzt habe.

Die Gründe sind einfach:

  • Grundsätzlich habe ich mir selbst zu oft nachgegeben und Ausreden gesucht, anstelle mich konsequent an eine Ernährung nach meinem individuellen Ernährungstyp sowie an meine eigenen Ratschläge bezüglich abnehmen zu halten
  • Mehr Ausnahmen beim Essen von Süssigkeiten, sei es als «Belohnung» oder zum «Betäuben von Frust» und das, obwohl ich mit meinem Wissen um Emotionales Essen, es besser wissen müsste
  • Meine regelmässiges Schwimmen sowie die anderweitige Bewegung nicht konsequent weiterverfolgt; jegliches Bewegen hat mir immer geholfen, meinen Stoffwechsel auf Trapp zu halten
  • Die Nahrungsaufnahme habe ich nicht an mein heutiges Gewicht angepasst; d.h. ich brauche heute deutlich kleinere Portionen als zu Beginn meines Abnehmens; esse ich weiterhin die vorherige zu grossen Portionen, kann es nicht gelingen, weiter abzunehmen
  • Das gleiche gilt natürlich auch für die Bewegung: Um einen Effekt auf die Abnahme zu haben, muss ich mich heute deutlich länger bewegen; dabei spielt es keine Rolle ob ich nun spazieren gehe, schwimme oder sonst etwas mache

Ich bin überzeugt, dass wir Übergewichtigen es schaffen abzunehmen, wenn wir nur oft genug wieder aufstehen und einerseits konsequent unser neu erlernten Verhalten umsetzen und andererseits neu gewonnenes Wissen sowie gemachte Erfahrung mit einfliessen lassen. Oder wie es Samuel Beckett sagte:

Ein passendes Zitat zum Thema: "Warum nehme ich nicht ab"
Ein passendes Zitat zum Thema: „Warum nehme ich nicht ab“: «Immer wieder versucht. Immer wieder gescheitert. Egal. Versuch es wieder. Scheitere wieder. Scheitere besser.» Natürlich mit dem Ziel, es zu schaffen :-). Photo by Susan Rothenberger

Ich stelle erneut fest, wie einfach es mir fällt, bei andern die beim Abnehmen hinderliche Muster zu erkennen. Wieviel schwerer fällt es mir, mein Verhalten auf gleich kritische Weise zu durchleuchten. So bin ich einfach dankbar, einen lieben, unbequemen Freund als Coach an meiner Seite zu wissen, der unerbittlich, genau diese Aufgabe bei mir übernimmt. Ich bin sicher, dass ich so mein Ziel, über 80 Kilo dauerhaft abzunehmen, erreichen werde!

Wünschen Sie sich schon lange jemand, der Sie bei Ihrer Gewichtsabnahme coacht? Der Ihnen aufzeigt, wie Sie über eine Ernährung nach Ihrem individuellen Ernährungstyp zu Ihrem Traumgewicht finden? Und Ihnen dazu einfache Tipps und Tricks zeigt, die Ihnen helfen Ihr Ziel zu erreichen?

Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir, ich freue mich von Ihnen zu hören! +49 171 430 5610, +41 76 358 35 60srothenberger@weg7.com

Auf bald,

Ihre Susan Rothenberger

2 Kommentare

  1. Liebe Susan,
    herzlichen Dank für einen wirklich gelungenen und vor allem sehr authentischen und ehrlichen Artikel.
    Auch Menschen, die andere auf Ihrem Weg begleiten dürfen selber mal ins Stocken kommen. Eine wichtige Kompetenz ist allerdings, sich dann neu zu sortieren und den Weg wieder Schritt für Schritt weiterzugehen.

    Viel Erfolg weiterhin!

    Alles Liebe,
    Christian

    • Lieber Christian,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar und deine Wünsche, die mich sehr freuen.
      Ich stimme dir hundertprozentig zu, dass es erlaubt ist mal zu straucheln. Daraus zu lernen und sich mit – oder ohne Hilfe – wie du schreibst „neu zu sortieren“ ist auch für mich Voraussetzung um ans Ziel zu kommen. Genau dies will ich tun, um dann meinen Weg weiterzugehen bis ich mein Ziel erreiche.

      Herzliche Grüsse aus der Ostschweiz,
      Susan

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