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Wenn die Vorstellung von einem Märchenschloss in unserer Phantasie entsteht, dann ist die Bildvorlage dafür Schloss Neuschwanstein von König Ludwig II., das sich wie kein anderes Bauwerk traumhaft in unsere Phantasie eingeschmeichelt hat. Es wird milliardenfach fotografiert und diente vielfach als Vorlage für manche Märchen- und Hollywood Filme.

Tausende von Besuchern aus allen Ländern der Welt nehmen jedes Jahr die drei Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee in Augenschein und reisen, beflügelt von einer neuen Vorstellungskraft und Anteilnahme am Schicksal von König Ludwig II., der auf bis heute nicht ganz geklärte Weise ums Leben kam, nach Hause.

Sind diese Traumbauten für körperlich eingeschränkte Personen eine nicht erreichbare Fata Morgana, oder können auch sie die Schlösser nicht nur von außen in Augenschein nehmen, sondern sie auch tatsächlich besuchen und erleben?

Behinderte wurden in «Anstalten» verwahrt

Die Schlösser wurden zu einer Zeit erbaut, in der behinderte Personen eher versteckt wurden und in «Anstalten» ihr Leben fristen mussten. Keiner dachte an rollstuhlgerechte Zugänge oder Rampen, zumal König Ludwig II. die Räume nie der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte. Er soll erwähnt haben, sie nach seinem Tod sprengen zu lassen. Das ist zum Glück von Millionen Besuchern nicht geschehen.

Heute stehen alle Schlösser unter Denkmalschutz und es ist nachvollziehbar, dass das, was uns unsere Vorfahren hinterlassen haben, nicht durch Baumaßnahmen verändert werden kann. So ist es für die Schlösserverwaltung nicht einfach, diese Gradwanderung zu begehen: Auf der einen Seite die Ursprünglichkeit zu erhalten, auf der anderen Rollstuhlfahrern* doch einen Zugang zu ermöglichen.

Ohne Begleitperson geht fast nichts

Was können Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind erreichen, und wo steht der Nutzen in keinem Verhältnis zum Aufwand? Steigungen, Stufen und teilweise fehlende Parkmöglichkeiten bereiten Rollstuhlfahrern ohne Begleitperson zu viele Einschränkungen.

Schloss Neuschwanstein von Oben
Neuschwanstein, das Märchenschloss schlechthin. ©Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Vorbereitung ist alles

Das Ticket muss reserviert werden, da ein im Schloss vorhandener Aufzug nur einmal pro Stunde in Anspruch genommen werden kann. Die Reservierungsgebühr beträgt 2,50 Euro pro Person (auch für die Begleitperson) und erfolgt über das Ticketcenter, Tel.: 08362 – 930 830. Der Eintritt kostet ermäßigt 12,00 €, die Begleitperson ist frei, sofern im Behindertenausweis ein «B» eingetragen ist. Allerdings sollte man eine längere Wartezeit am Ticketcenter einplanen, da die Schlange mit zunehmender Zeit erheblich wächst und so leicht eine Stunde und mehr zusammenkommen kann.

Wartezeiten zum Schloss Neuschwanstein sind oft sehr lang.
Lange Besucherschlangen bilden sich vor dem Ticketcenter. ©Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Das Abholen der Eintrittskarten ist Aufgabe der Begleitperson, da eine etwa 15 cm hohe Stufe überwunden werden muss, um das Ticketcenter zu erreichen. Der nächste Parkplatz ist P4. Er hat keine Behindertenparkplätze und ein Rollstuhl-PKW sollte so an den Rand einer Parkreihe gestellt werden, dass kein Zuparken möglich ist. Auch das Rollstuhl-Fahrzeug kostet 7,- €. Allerdings kann man durch den Parkplatz fahren und dann an der Mauer vor dem Museum der bayrischen Könige parken. Das Ticket von P4 erlaubt die kostenfreie Durchfahrt innerhalb einiger Minuten.

Mehrere Wege führen zu König Ludwig II. – wie kommt man vom Parkplatz zum Schloss Neuschwanstein?

Das ist erstens die Möglichkeit zu Fuß den für Fußgänger etwa 40 – 50 minütigen Weg zum Schloss zu laufen bzw. den Rollstuhl zu schieben oder einen motorischen Hilfsantrieb zu verwenden. Dieser Weg geht kontinuierlich bergauf und es sollten Phasen zur Erholung für die Begleitperson eingeplant werden. Für diese Tour sind mit Rollstuhl mindestens ein bis zwei Stunden einzuplanen.

Die zweite Möglichkeit – bis zur Marienbrücke

Die Fahrt geht mit dem Bus, in dem Platz für den Rollstuhl vorhanden ist, bis zur Marienbrücke. Der Preis beträgt hin- und zurück 3,00 €, für die Bergfahrt 2,50 € und die Talfahrt 1,50 €. Mit Schwerbehindertenausweis ist die Fahrt, auch für die Begleitperson, wenn ein «B» im Ausweis steht, kostenlos.

Eine Rollstuhlfahrerin fährt in den Bus
Die Busse zur Marienbrücke sind rollstuhlgerecht © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Für Fußgänger sind es von der Bushaltestelle an der Marienbrücke bis zum Schloss ca. 15 Minuten. Diese Strecke, mit einigen Stufen und einem Gefälle von etwa 10 – 15% bergab, ist für Rollstuhlfahrer, auch mit Begleitperson, ungeeignet. Das staatliche Bauamt hat diese Strecke für Rollstuhlfahrer gesperrt. Um die herrliche Aussicht zu genießen, ist die Marienbrücke allerdings ein Genuss und lohnt sich als Extrafahrt allemal, auch wenn es für die Begleitperson eine sportliche Herausforderung ist, den Rollstuhl von der Bushaltestelle bis zur Marienbrücke den steilen Weg nach oben zu schieben.

Eine Frau im Rollstuhl wird geschoben
Der kurze Weg von der Bushaltestelle ist für die Begleitperson recht sportlich, wird aber durch den Blick auf das Schloss belohnt. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Man kann das Schloss in voller Pracht von außen in der märchenhaften Landschaft bewundern. Der Bus ist für Rollstuhlfahrer die einzige Möglichkeit sich an dieser «bezaubernd schönen Aussicht», wie König Ludwig II. sie nannte, zu erlaben, da keine für den Rollstuhl geeignete Verbindung vom Schloss zur Marienbrücke besteht.

Eine Rollstuhlfahrerin blcikt auf das Schloss Neuschwanstein
Die «Bezaubernd schöne Aussicht auf das Schloss», wie König Ludwig II. sie nannte, ist auch für Rollstuhlfahrer gegeben © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Die dritte Möglichkeit

Sofern die Person im Rollstuhl umsteigen kann, bietet sich eine dritte Möglichkeit an: In der Pferdekutsche. Diese hält 300m unterhalb des Schlosses. Die restlichen Meter müssen vom Besucher bewältigt werden. Kosten: 7,- € für die Berg-, 3,50 € für die Talfahrt. Reservierungen gibt es nicht.

Ist die Benutzung der Kutsche nicht gegeben, weil ein Umsetzen ausgeschlossen ist oder eine Pferdehaarallergie vorliegt, ist es möglich, bei entsprechend frühzeitiger Planung, die vierte Möglichkeit mit den örtlichen Sozialdiensten, wie dem Roten Kreuz, vor 12:00 Uhr zu nutzen. Danach ist die Straße so stark von Touristen bevölkert, dass auch ein Einsatzwagen des Roten Kreuzes nur schwer vorankommt. Es ist die sicherste, bequemste, aber auch teuerste Möglichkeit. Alle Gegebenheiten, wie Grad der Behinderung, Art des Rollstuhls und die Kosten, werden individuell direkt mit dem Roten Kreuz abgestimmt, wobei das Ticketcenter im Vorfeld behilflich ist. Da das rollstuhlgerechte Fahrzeug des DRK auch für andere Fahrten gebucht werden kann, ist eine genaue Absprache erforderlich. Sind die freien Termine bekannt, kann das Rollstuhlticket im Ticketcenter für Neuschwanstein reserviert werden. Dieser Termin ist dann dem DRK mitzuteilen. Die Reservierung sollte so früh wie möglich erfolgen. In der Hauptsaison sind hier bis zu acht Wochen angemessen.
Fahrten mit anderen Fahrzeugen, wie z.B. einem Taxi, sind nicht möglich.

Der Behinderten-Transfer vom Roten Kreuz ist eine angenehme Transportmöglickeit
Kompetentes Personal vom Roten Kreuz bringt die Rollstuhlfahrerin zum Schloss. ©Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Im Reich der Könige und Prinzessinnen

Hat man diese Fahrt, die von hilfsbereiten und kompetenten Mitarbeitern des Roten Kreuzes durchgeführt wird, hinter sich, dann kommt die Belohnung: Plötzlich liegt das Märchenschloss von König Ludwig II., das man auf der Anreise in weiter Ferne sah, greifbar nah vor den Besuchern. Durch die Gewölbe des Schlosses, dem Ausgang für die Touristen, geht es für den Rollstuhl in das Märchenschloss und man ist im Reich der Könige und Prinzessinnen.

Eintauchen in die damalige Epoche

Man geht durch die langen Gänge im unteren Teil des Schlosses zum Aufzug und wird gedanklich in die Zeiten von Träumen und Vorstellungen versetzt, als noch Phantasiegestalten durch Märchen wandelten. Die Besucher sehen die Pracht, die König Ludwig II. hier aufgebaut hat bzw. aufbauen wollte. Denn: Neuschwanstein ist unvollendet und stellt nicht den von König Ludwig II. geplanten Endzustand dar. Trotzdem wird man gefangen genommen von einer anderen Welt. All die Gemächer, die Säle, lassen einen eintauchen in die damalige Epoche, die fast ein wenig Sehnsucht hervorruft, mit welcher Beschaulichkeit und Zeit des Genusses diese Menschen leben konnten. Ohne Fernseher, ohne Smartphone, ohne Computer und ohne von einem Termin zum nächsten zu hetzen. Doch das ist ein Traum, denn genutzt hat dieses Schloss zu Lebzeiten ausschließlich König Ludwig II. für sich mit seinen Bediensteten.

Besuch mit freier Zeitplanung

Der Rückweg kann unterschiedlich geplant werden. Die Bushaltestelle scheidet für den Rollstuhl aus, da der Weg für den Rollstuhl, auch mit Begleitperson, ungeeignet ist. Bei dem Transport mit dem Roten Kreuz ist nur eine geringe zeitliche Flexibilität gegeben. Die anderen Möglichkeiten erlauben eine freie Zeitplanung. Das besonders deshalb, da sich im Schloss eine Rollstuhltoilette befindet.

Fazit: Das Schloss Neuschwanstein ist es wert, gesehen zu werden. Alles ist perfekt organisiert und der Andrang ist extrem. Bei entsprechender Vorbereitung ist das machbar und diese ist erforderlich, da auch eine rollstuhlgerechte Unterkunft für den Urlaub gebucht werden muss. Z.B. Alpchalet-Schwanstein, in 87642 Buching, 10km, 12 Minuten Fahrstrecke entfernt, mit einem rollstuhlgerechten Doppelzimmer.

Ideale Ergänzung: Das Museum der bayrischen Könige

Nicht weit vom Parkplatz P4 bzw. am vom Rollstuhlfahrer genutzten Parkplatz, befindet sich das Museum der bayrischen Könige (Eintritt ermäßigt: 10,- €), das in jeder Hinsicht für Rollstühle geeignet ist und das Erlebte von Neuenschwanstein in idealer Weise ergänzt.

Mit dem Rollstuhl zum Schloss Neuschwnastein von König Ludwig II.
Die Rampe mit geringer Steigung lässt Rollstuhlfahrer auch allein in das Museum fahren. © Stefan Weller / Wittelsbacher Ausgleichsfonds München

Hier erfährt man alle Hintergründe über die Königshäuser. Der Audioguide führt den Besucher elektronisch durch die Ausstellung. Möchte man das Erlebnis steigern, so ist die persönliche Führung das Nonplusultra des Erlebbaren. Auf warmherzige Weise geht das Museumspersonal auf Fragen ein, die auf äußerst charmante, kurzweilige Weise kompetent mit viel Hintergrundwissen beantwortet werden.

Mit dem Rollstuhl im Inneren des Schloss Neuschwanstein
Die Exponate sind in einer für Rollstuhlfahrer angenehmen Höhe angeordnet. © Stefan Weller / Wittelsbacher Ausgleichsfonds München

Hier erfährt man unter anderem, wie die drei Berge Vilser Kegel, Köllenspitze und Gimpel hinter dem Alpsee zu ihren Namen kamen und wie «unanständig» sie vor dem Besuch von Marie Friederike von Preußen auf dem Tegelberg im Jahr 1854 hießen, warum König Ludwig II. einen Bart trug, fast immer ein parfümiertes Tüchlein vor den Mund hielt und warum sich Bayern mit «y» und nicht mehr mit «i», also Baiern schreibt.

Das Schloss Hohenschwangau greifbar nah und doch unerreichbar

Das Schloss Hohenschwangau, in greifbarer Nähe vom Parkplatz 4, ist für Rollstuhlfahrten ungeeignet, da zu viele Treppen den Weg versperren und die Zugangsstraße eine sportliche Herausforderung an die Begleitperson darstellt.

Schloss Hohenschwangau von König Ludwig II.
Hohenschwangau trotzt über den Besuchern © Stefan Weller / Wittelsbacher Ausgleichsfonds München

Schloss Linderhof, das einzige vollendete Schloss von König Ludwig II.

Das Schloss Linderhof, das einzige Schloss das König Ludwig II. zu Lebzeiten vollendet erleben konnte, zeigt auf ganz andere Weise den Luxus der damaligen Zeit.

König Ludwig Schloss Linderhof
In Linderhof, der «Königlichen Villa», verbrachte Ludwig II. in seinen letzten Lebensjahren die meiste Zeit. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Rollstuhlfahrer können sich im Außenbereich zwar leichter bewegen, als bei Neuschwanstein, aber der Aufgang vom Behindertenparkplatz ist so steil, dass der Weg nur von gut trainierten Menschen allein im Rollstuhl bewältigt werden kann. Oder mit elektrischer Hilfe bzw. Begleitperson. Im Schloss selbst gibt es keinen Aufzug, aber auch hier haben sich die Verantwortlichen einen Kompromiss einfallen lassen: Mit dem Treppenlift geht es in den ersten Stock und später wieder bergab.

Mit dem Rollstuhl zum Schloss Linderhof von König Ludwig II.
Der Treppenlift bringt Rollstuhlfahrer über die Stufen bis zum oberen Stockwerk. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Durch dieses Gerät kann auch die eingeschränkt bewegungsfähige Person das Schloss Linderhof bewundern. Leider ist der Garten mit vielen Treppen versehen und nur von oben zu betrachten. Um diesen Garten genießen zu können, sind die besten Zeiten: Ab Ende April oder kurz nach den bayrischen Sommerferien. Mitte Oktober wird der Park winterfest gemacht und im Außenbereich ist nur noch ein Bruchteil der wirklichen Pracht zu sehen. Die Rollstuhltoiletten befinden sich  in der Nähe des Rollstuhlparkplatzes und kurz vor dem Schloss. Es passt der Euroschlüssel. Der Parkplatz für Rollstuhlfahrer ist mit entsprechendem Ausweis frei. Der ermäßigte Eintritt vom 15.04. – 15.10. für das Schloss mit Parkbauten beträgt 7,50 €, für die Parkbauten allein: 4,- €.

Die von König Ludwig II. künstlich angelegte Grotte bei Linderhof wurde für die dringend erforderliche Restaurierung im Oktober 2016 für mindestens 5 Jahre geschlossen. Allerdings kann man neben dem Souvenirladen und Kassenhaus einen Film über die Grotte ansehen. Der Zugang ist rollstuhlgerecht.

Eingang zur Grotte im König Ludwig Schloss Linderhof
Die Filmvorführung über die Grotte Ludwig II. ist mit dem Rollstuhl leicht zu erreichen. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Herrenchiemsee, der «Tempel des Ruhms» – eine Huldigung des Sonnenkönigs Ludwig XIV.

Die nächste Etappe ist das von Neuschwanstein etwa 150km entfernte Herrenchiemsee. Um zu der Insel mit Schloss Herrenchiemsee zu gelangen ist eine Bootsfahrt ab Prien oder einer anderen Anlegestelle des Passagierbootes erforderlich. Der Zugang, wie auch der Weg auf das Schiff, ist mit einer Begleitperson möglich. Trotzdem hilft das Personal tatkräftig, so dass diese Barriere problemlos zu bewältigen ist. Gleiches gilt für den Ausstieg.

Über die Bootsrampe zum Schloss Herrenchiemsee
Die Rampe erlaubt Rollstuhlfahrern die Insel zu besuchen. ©Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Die Fahrt mit dem Schiff ist für Besitzer einer Wertmarke kostenlos, ebenfalls für die Begleitperson, sofern ein «B» im Behindertenausweis eingetragen ist. Der Parkplatz in Prien kostet 4,50 € pro Tag, da der Rollstuhlparkplatz sich innerhalb des Großparkplatzes befindet. Direkt neben der Anlegestelle der Schiffe befindet sich das Hotel Luitpold am See, das über vier Rollstuhlzimmer, 2 Allergikerzimmer und entsprechende Rollstuhlparkplätze verfügt.

Die volle Pracht der Vision König Ludwig II.

Herrenchiemsee erreicht, zeigt sich die volle Pracht der Vision König Ludwig II.

Blick auf das Schloss Herrenchiemsee von König Ludwig II.
Mächtig erhebt sich das Schloss Herrenchiemsee Ludwig II. vor dem Besucher © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Die ganze Insel, wie auch das Schloss, ist mit dem Rollstuhl durchfahrbar. Es gibt nur wenige Flecken, die ausgespart werden müssen. Auch hier ist die Möglichkeit mit der Pferdekutsche oder zu Fuß bzw. mit Rolli zum Schloss zu fahren oder zu laufen, gegeben. Der Eintrittspreis beträgt ermäßigt 8,- €. Das Ticket berechtigt alle Ausstellungen und  Museen auf der Insel zu besuchen. Die Eintrittskarte ist 6 Monate gültig. Man sollte sie im Ticketshop nahe der Anlegestelle erwerben, da die Notkasse im Schloss nicht immer besetzt ist.

Rollstuhltoiletten befinden sich im Hafen in Prien zwischen Ticketcenter und Souveniergeschäft, nahe  der Anlegestelle der Schiffe auf Herrenchiemsee, im neuen Schloss, zwischen Café und den Eingängen zu den Führungen, sowie im Alten Schloss im Erdgeschoss.

Rollstuhlrampe auf Herrenchiemsee
Das Schloss ist durchweg rollstuhlgerecht. ©Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**
Schloss Herrenchiemsee im Innern
Die Treppe, uneinnehmbar, wird überwunden … © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**
Ein Fahrstuhl im Schloss Herrenchiemsee von König Ludwig II. führt in die oberen Etagen
… mit dem Fahrstuhl zu den oberen Räumlichkeiten. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Die Führung zeigt Gemächer und viele Details, die König Ludwig II., den Sonnenkönig Ludwig XIV huldigend, hat anfertigen lassen, darunter im Speisezimmer einen Meissner Porzellanlüster, der einmalig ist und nach dessen Fertigstellung König Ludwig II. alle Pläne und Formen vernichten ließ, so dass ein Nachbau für alle Zeiten ausgeschlossen war. Das Speisezimmer beinhaltet noch eine weitere Besonderheit: Tischlein – deck – dich, ein versenkbarer Tisch, der im unteren Stockwerk mit Speisen gefüllt wurde, um sie zu Ludwig II. hochzukurbeln, was dem König ein Speisen ohne Personal ermöglichte. Es ist nicht überliefert, wie kalt die Nahrung im oberen Stock ankam.

Meissner Kronleuchter im Schloss Herrenchiemsee
Der Meißner Kronleuchter ergänzt die prunkvolle Ausstattung des Speisezimmers. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Auch die Vorhänge, Polster und weiteren Stoffe sind im Original erhalten und wurden vielleicht von König Ludwig II. persönlich berührt. Man kann schwelgen in einer Welt die uns heute nicht mehr zugänglich ist, die aber anregt zum Träumen und zu gedanklichen Ausflügen in die Welt der Phantasie. König Ludwig II. hat Herrenchiemsee prunkvoller ausstatten lassen als das Original in Versailles und Räume rekonstruiert, die in Versailles nicht mehr existierten.

prunkschrank-schloss-herrenchiemsee
Der Prunkschrank ist nicht vollendet. Vermutlich war in ihm die Unterbringung von Musikinstrumenten vorgesehen.  © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**
Mit dem Rollstuhl zur Spiegelgallerie im Schloss Herrenchiemsee
Die berühmte Spiegelgallerie, dem Saal in Versailles von Ludwig XIV. nachempfunden, ist acht Meter länger als das Original  in Frankreich. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**
Das Schlafzimmer von König Ludwig II. im Schloss Herrenchiemsee
Das Schlafzimmer König Ludwig II. Im Gegensatz zu Ludwig XIV., dem Sonnenkönig, bezeichnete sich Ludwig II. als Mondkönig. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**
Die kleine Galerie im Schloss Herrenchiemsee
Die Kleine Galerie soll an die früher vorhandene «Petite Galerie» in Versailles erinnern. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Das Schloss Herrenchiemsee wird durch zwei rollstuhlgerechte Museen ergänzt

Wer sein Wissen um Ludwig II. ergänzen möchte, kann sich in den zwei Museen, im Neuen und im Alten Schloss satt sehen. Das Museum im Alten Schloss zeigt neben Ludwig II. noch andere historische Begebenheiten, wie z.B. die Entstehungsgeschichte Deutschlands und Informationen über den Verfassungskonvent, der hier 1948 stattgefunden hat. Auch die Werke verschiedener Künstler werden hier ausgestellt. Die Bildschirme der Filme sind in rollstuhlgerechter Höhe angebracht.

Blick auf die goldene Pracht im Neuen Schloss von König Ludwig
Nach einer Führung im Neuen Schloss kann man die Pracht Ludwig II. im Museum in Ruhe genießen © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**
Fahrt mit dem Rollstuhl durch das Museum im Augustiner Chorherrenstift (Altes Schloss)
Auch das Museum im Augustiner Chorherrenstift (Altes Schloss) ist für Rollstuhlfahrer befahrbar © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Frauenchiemsee ist die kleine, liebevolle Schwester von Herrenchiemsee

Hier gibt es nicht den Rummel, der Herrenchiemsee dominiert. Das Kloster mit der Kirche, den Kräutergärten und einem beschaulichen Ambiente lassen einen ein wenig verschnaufen und, wenn man will, beim Klosterwirt, der über eine Rollstuhltoilette verfügt, eine bayrische Haxe oder die Renke im Kräutermantel, verzehren.

Im Inselbräu Braustüberl (eine Stufe) erlebt man das Bierbrat’l (Schweinebauch in Biersauce). Die Gruppenführungen durch die eigene Brauerei, an der auch Rollstuhlfahrer barrierefrei teilnehmen konnten, werden leider aufgrund gesetzlicher Vorgaben nicht mehr durchgeführt. Allerdings kann man barrierefrei von außen einen Blick von der Unterseite des Gebäudes auf die Braukessel werfen.

Die Fraueninsel bietet viele kulinarische Genüsse. Auch einige Künstler haben sich hier niedergelassen und bieten ihre Werke zum Verkauf an. Bei den angeboteten Zimmern und Ferienwohnungen ist nur eine Unterkunft bedingt barrierefrei und die Bedürfnisse müssen direkt mit Christine Heindl, Telefon: 0160 – 96 870 020, abgeklärt werden.

Die Kirche hat am Haupteingang Stufen. Barrierefrei kommt man über das Kloster in die Kirche. Um diese Möglichkeit zu nutzen, meldet man sich an der Pforte des Klosters neben dem Klosterladen und wird durch den Klostergarten zum Seiteneingang der Kirche geführt.

Blick auf die Pforte des Klosters, neben dem Klosterladen
Über die Pforte des Klosters, neben dem Klosterladen kommen Rollstuhlfahrer in die Kirche © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Rollstuhlfahrer haben ein Privileg, das anderen Touristen nicht zuteil wird: Sie dürfen sich durch den Klosterinnenhof und den Äbtissinnengang bis zum Seiteneingang der Kirche begeben.

Kloster-Innenhof Frauenchiemsee
Der Klosterinnenhof ist für Touristen nicht zugängig … © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**
Äbtinneneingang Kloster Frauenchimesee
… ebenso der Äbtissinnengang, in dem die Äbtissinnenportraits seit 1600 zu sehen sind. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**
Kirchen-Seiteneingang Frauenchiemsee
Über die 2 Stufen wird eine Rampe gelegt, so dass ein barrierefreier Zugang möglich ist. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**
Blick in die Münsterkirche Frauenchiemsee
Ein Besuch der sehenswerten Münsterkirche zu Frauenchiemsee ist auch Rollstuhlfahrern möglich. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung**

Die ganze Insel ist für Rollstuhlfahrer relativ einfach erkundbar, eine Begleitperson ist empfehlenswert. Inselführungen werden von Frau Monika Huber im Inselladen angeboten.

Mythos König Ludwig II.

War Ludwig II. wirklich entrückt oder ein missverstandener Visionär, der von einem Arzt, der ihn nicht einmal kannte, für verrückt erklärt wurde, um den Kabinettmitgliedern die Arbeitslosigkeit zu ersparen? Ist er wirklich ertrunken, oder waren es zwei Schüsse in seinen Rücken, als er bereits auf der Flucht war? Wir könnten es nur erfahren, wenn die Nachkommen Ludwigs II. der Öffnung des Grabes zustimmen würden. Eins aber rechnen alle Ludwig II. hoch an: Er hat sein Geld in Bauwerke investiert, die der Nachwelt Glück und Freude bringen und nicht in Kriege, die, wie bei vielen anderen Herrschern, viel Geld und Menschenleben gefordert hätten. Vielleicht wäre in der damaligen Zeit mehr Verständnis dafür aufgebracht worden und hätte möglicherweise nicht dazu geführt, dass König Ludwig II. für geisteskrank erklärt wurde. Für Kriegsschulden wurde wohl kaum ein Feldherr jemals für verrückt erklärt.

Mit dem Schlösserticket in alle drei Schlösser

Möchte man die 3 Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee besuchen, kann man das Kombiticket «Königsschlösser» für 26,- € erwerben. Das lohnt sich für eine Begleitperson, wenn kein «B» im Ausweis des Rollstuhlfahrers eingetragen ist. Natürlich auch für jeden, der nicht behindert ist und alle drei Schlösser besuchen möchte, zumal es 6 Monate gültig ist.

König Ludwig Schlösser-Ticket
Das Kombiticket gilt für alle 3 Schlösser und ist 6 Monate gültig. Quelle: Bayerische Schlösserverwaltung**

Zusammenfassend kann man sagen, dass alle drei Schlösser für Rollstuhlfahrer erreichbar sind. Erforderlich ist eine Begleitperson. Lediglich das Museum der bayrischen Könige ist in jeder Hinsicht barrierefrei und kann vom Rollstuhlfahrer ohne Begleitung besucht werden. Im Schloss Linderhof kann im Inneren die komplette Führung wahrgenommen werden. Im Außenbereich können verschiedene Wege durch den Garten mit weiteren Sehenswürdigkeiten, wie z.B. dem Maurischen Kiosk mit dem Rollstuhl erkundet werden.

Herrenchiemsee zeigt ganzjährig nahezu alle original erhaltenen Utensilien, die König Ludwig II. hinterlassen hat und bietet sogar einen Transport bei Eis und Schnee. Für den Notfall sind Treppensteiger und Rollstühle vorhanden. Diese werden so gut wie nie benötigt, da Aufzüge Rollstuhlfahrern eine komfortable Besichtigung erlauben.

Die Rückfahrt mit dem Schiff erfolgt in den Sommermonaten alle halbe Stunde, sonst stündlich.

Weitere Informationen erhalten Sie über Internet unter:

www.neuschwanstein.de

www.neuschwanstein.de/mobilitaet.htm

www.linderhof.de

www.herrenchiemsee.de

www.hohenschwangau.de

www.hohenschwangau.de/840.html

www.frauenwoerth.de

*Gemeint sind immer Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen. Hier wird aufgrund der leichten Lesbarkeit meist nur eine Variante verwendet.

** © Bayerische Schlösserverwaltung, www.schloesser.bayern.de

10 Kommentare

    • Sehr geehrte Frau Küttner,

      es freut uns, dass Ihnen der Artikel gefällt. Vielen Dank! Auch für Interessierte ohne Behinderung lohnt sich der Besuch in jedem Fall. Gönnen Sie sich dieses Erlebnis!

      Herzliche Grüße von

      Stefan Weller

  1. Ihre Reisebeschreibung hat mir sehr gut gefallen. Zumal ich schon lange den Wunsch habe die Schlösser kennenzulernen. Ihre Reportage hat mir viele Fragen beantwortet, so dass ich noch in diesem Jahr die Reise unternehmen werde. Vielen Dank und ich freue mich auf weitete Beschreibungen für Rollstuhlfahrer.

  2. Hallo Ursel, es freut mich außerordentlich, dass Ihnen der Artikel geholfen hat, den lang gehegten Wunsch die Schlösser zu besichtigen, in Angriff zu nehmen. Sie können mir gern schreiben, welche Eindrücke Sie auf Ihrer Reise gewonnen haben. Ein weiterer Artikel über Rollstuhlurlaub ist über das Ferienzentrum in San Felice erschienen. Klicken Sie hierzu das graue Feld „Rollstuhlreisen“ unter dem Artikel an. Dort finden Sie ihn.

    Ganz herzlich

    Stefan Weller

  3. Ich bin zwar (zum Glück!) keine Rollstuhlfahrerin, aber der Artikel hat mir Lust gemacht auch einmal die Ludwigschlösser zu besuchen. Vielen Dank!

    • Da haben Sie recht: Die Ludwig II. Schlösser sind immer ein Erlebnis, ob mit oder ohne Einschränkung. Viel Freude!

      • Sehr geehrter Herr Weller! Ich bin beeindruckt von Ihrem Artikel „Mit dem Rollstuhl zu König Ludwig II.“ Nicht nur der Artikel ist bildhaft geschrieben, sondern auch die Fotos sind glänzend geraten. Ich glaube, dass es für die Rollstuhlfahrerin ein bleibendes Erlebnis war und sie noch weiterhin interessante Reisen unternehmen kann.Es macht auch Lust, das alles selbst hautnah zu erleben.
        Ich bedanke mich vielmals bei Ihnen und freue mich auf weitere interessante Artikel. Mit freundlichem Gruß M. Z.

        • Sehr geehrte Frau Zell,

          vielen Dank für Ihre Komplimente! Sie haben volkommen recht: Diese Reise war für alle Beteiligten ein wunderbares Erlebnis, an das wir gern zurück denken. Hinzu kommt, dass die Verwaltungen der Schlösser sich sehr engagiert zeigten, auch Personen mit eingeschränkter Mobilität den Besuch zu ermöglichen.

          Nochmals vielen Dank für Ihre Zeilen!

          Ganz herzlich

          Stefan Weller

  4. Im August 2019 habe ich das ebenfalls versucht – nach ca. 10 mails mit Ticket-Center, Schloßverwaltung und DRK und Taxi-Betrieb habe ich aufgegeben – nachdem ein Taxi-Unternehmen uns mit Rolli zum vorgegebenen Zeitpunkt 2 Wochen später befördert hätte – aber dann das Nein der Schloßverwaltung kam.
    Das DRK konnte am von der Schloßverwaltung und Ticket-Center reservierten Termin (Mittwoch) generell nicht und zudem zu den von der Schloßverwaltung vorgeschlagenen Uhrzeiten – am Schloß (9 oder 10.00 Uhr) auch generell nicht – sondern erst ab 10.30 Uhr – weil vorher andere Fahrten fest eingeplant sind.
    Wo also anfangen…frage ich zuerst beim DRK an – das mir erst nach mehrmaligem Nachfragen genannt wurde – dann bekomme ich ggf. kein Ticket oder die Schloßverwaltung hat schon den einen Platz für einen anderen Rolli-Fahrer reserviert – mache ich es so wie ich – also zuerst Schloßverwaltung und Ticket-Center – macht das DRK nicht mit…..
    Schade und vielleicht gewollt – es ist ja doch ein hoher Aufwand für die Schloßverwaltung und das Ticket-Center und wenig eingenommen….
    Nachfragen können sie dies bei
    DRK – fahrdienst@kvostallgaeu.brk.de
    Fr. xxx oder Fr. xxx Schloßverwaltung Neuschwanstein und
    Herrn xxx beim Ticket-Center Hohenschwangau…mit all diesen Personen hab ich mehrfach hin-und hergefragt bis sich herausstellte, dass zwar Termin im Schloß und Kartenreservierung ok – aber Zufahrt mit DRK nicht klappt und Taxi nicht erlaubt. Hätte man mir all das vorher so gesagt – hätte ich viel Zeit und Energie gespart. Der bayrische König hat einfach nicht barrierefrei gedacht….

    werde mal den Behindertenbeauftragten des Landes Bayern dazu fragen.
    R.u.C. Krauter aus dem Schwabenländle

    • Sehr geehrter Herr Krauter,
      vielen Dank für Ihren Kommentar, hilft er doch den Artikel an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen.
      Nach Rücksprache mit dem Ticketcenter, der Schlösserverwaltung und dem DRK ist die folgende Vorgehensweise sinnvoll:
      Sie kontaktieren das DRK und stimmen mögliche Termine ab. Es sollten mehrere sein, um sicherzustellen, dass auch ein Ticket zu haben ist. Dann reservieren Sie beim Ticketcenter einen der möglichen Termine. Diesen Termin teilen Sie dem DRK mit, um damit den Besuch sicherzustellen. Zugegeben, das erfordert einige Telefonate, jedoch lohnt sich der Aufwand. Ein Taxi, wie auch eine Fahrt mit dem PKW ist nicht möglich. Sie sollten allerdings beachten, dass gerade in der Hauptsaison ein extremer Andrang herrscht und somit eine sehr frühzeitige Reservierung empfohlen wird. Diese sollte mindestens 8 Wochen vor dem Wunschtermin erfolgen.
      Ihre Vermutung, Rollstuhlfahrer seien hier nicht erwünscht, bzw. das Verhalten sei so „gewollt“ können wir weder aus eigener Erfahrung noch aufgrund der erhaltenen Zuschriften bestätigen. Alle uns bisher bekannten Besucher haben sich positiv geäußert. Das bestätigt auch der inzwischen stattgefundene Kontakt von Ihnen zur Schlösserverwaltung, die Ihnen nun doch noch einen Besuch des Schlosses ermöglicht hat.
      Bitte haben Sie Verständnis, dass wir die in Ihrem Kommentar erwähnten Namen nicht veröffentlichen können.
      Wir freuen uns mit Ihnen und wünschen Ihnen ein tolles Erlebnis im Schloss Neuschwanstein!
      Ganz herzlich
      Stefan Weller

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