Mit dem Rollstuhl zur Märchenwelt von König Ludwig II.

von am 8. November 2016
Mit dem Rollstuhl bei König Ludwig im Schloss Neuschwanstein © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Wenn die Vorstellung von einem Märchenschloss in unserer Phantasie entsteht, dann ist die Bildvorlage dafür Schloss Neuschwanstein von König Ludwig II., das sich wie kein anderes Bauwerk traumhaft in unsere Phantasie eingeschmeichelt hat. Es wird milliardenfach fotografiert und diente vielfach als Vorlage für manche Märchen- und Hollywood Filme.

Tausende von Besuchern aus allen Ländern der Welt nehmen jedes Jahr die drei Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee in Augenschein und reisen, beflügelt von einer neuen Vorstellungskraft und Anteilnahme am Schicksal von König Ludwig II., der auf bis heute nicht ganz geklärte Weise ums Leben kam, nach Hause.

Sind diese Traumbauten für körperlich eingeschränkte Personen eine nicht erreichbare Fata Morgana, oder können auch sie die Schlösser nicht nur von außen in Augenschein nehmen, sondern sie auch tatsächlich besuchen und erleben?

Behinderte wurden in «Anstalten» verwahrt

Die Schlösser wurden zu einer Zeit erbaut, in der behinderte Personen eher versteckt wurden und in «Anstalten» ihr Leben fristen mussten. Keiner dachte an rollstuhlgerechte Zugänge oder Rampen, zumal König Ludwig II. die Räume nie der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte. Er soll erwähnt haben, sie nach seinem Tod sprengen zu lassen. Das ist zum Glück von Millionen Besuchern nicht geschehen.

Heute stehen alle Schlösser unter Denkmalschutz und es ist nachvollziehbar, dass das, was uns unsere Vorfahren hinterlassen haben, nicht durch Baumaßnahmen verändert werden kann. So ist es für die Schlösserverwaltung nicht einfach, diese Gradwanderung zu begehen: Auf der einen Seite die Ursprünglichkeit zu erhalten, auf der anderen Rollstuhlfahrern* doch einen Zugang zu ermöglichen.

Ohne Begleitperson geht fast nichts

Was können Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind erreichen, und wo steht der Nutzen in keinem Verhältnis zum Aufwand? Steigungen, Stufen und teilweise fehlende Parkmöglichkeiten bereiten Rollstuhlfahrern ohne Begleitperson zu viele Einschränkungen.

Schloss Neuschwanstein von König Ludwig mit dem Rollstuhl besuchen

Neuschwanstein, das Märchenschloss schlechthin. ©Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Vorbereitung ist alles

Das Ticket muss reserviert werden, da ein im Schloss vorhandener Aufzug nur einmal pro Stunde in Anspruch genommen werden kann. Diese Reservierung erfolgt über das Ticketcenter, Tel.: 08362 – 930 830 und kostet ermäßigt 12,00 €, die Begleitperson ist frei, sofern im Behindertenausweis ein «B» eingetragen ist. Allerdings sollte man eine längere Wartezeit am Ticketcenter einplanen, da die Schlange mit zunehmender Zeit erheblich wächst und so leicht eine Stunde und mehr zusammenkommen kann.

Wartezeiten zum Schloss Neuschwanstein sind oft sehr lang.

Lange Besucherschlangen bilden sich vor dem Ticketcenter. ©Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Das Abholen der Eintrittskarten ist Aufgabe der Begleitperson, da eine etwa 15 cm hohe Stufe überwunden werden muss, um das Ticketcenter zu erreichen. Der nächste Parkplatz ist P4. Er hat keine Behindertenparkplätze und ein Rollstuhl-PKW sollte so an den Rand einer Parkreihe gestellt werden, dass kein Zuparken möglich ist. Auch das Rollstuhl-Fahrzeug kostet 6,- €. Allerdings kann man durch den Parkplatz fahren, die Parkplatzwächter informieren, dass man zum Museum der bayrischen Könige möchte und dann an der Mauer vor dem Museum parken.

Mehrere Wege führen zu König Ludwig II. – wie kommt man vom Parkplatz zum Schloss Neuschwanstein?

Das ist erstens die Möglichkeit zu Fuß den für Fußgänger etwa 40 – 50 minütigen Weg zum Schloss zu laufen bzw. den Rollstuhl zu schieben oder einen motorischen Hilfsantrieb zu verwenden. Dieser Weg geht kontinuierlich bergauf und es sollten Phasen zur Erholung für die Begleitperson eingeplant werden. Für diese Tour sind mit Rollstuhl mindestens ein bis zwei Stunden einzuplanen.

Die zweite Möglichkeit

Die Fahrt geht mit dem Bus, in dem Platz für den Rollstuhl vorhanden ist, bis zur Marienbrücke. Man muss zum Schloss ca. 15 Minuten eine Strecke mit einem Gefälle von etwa 10 – 15% bergab laufen. Hier sollte der Rollstuhl Bremsen haben, da die Begleitperson sonst sehr schnell weiche Knie bekommt. Teilweise sind auch Stufen zu überwinden. Um die herrliche Aussicht zu genießen, ist die Marienbrücke allerdings ein Genuss und lohnt sich als Extrafahrt – gutes Wetter vorausgesetzt.

Die dritte Möglichkeit

Sofern die Person im Rollstuhl umsteigen kann, bietet sich eine dritte Möglichkeit an: In der Pferdekutsche. Diese hält 300m unterhalb des Schlosses. Die restlichen Meter müssen vom Besucher bewältigt werden. Kosten: 6,- € für die Berg-, 3,-€ für die Talfahrt. Reservierungen gibt es nicht. Ist die Benutzung der Kutsche nicht gegeben, weil ein Umsetzen ausgeschlossen ist oder eine Pferdehaarallergie vorliegt, ist es möglich bei entsprechend frühzeitiger Planung, die vierte Möglichkeit mit den örtlichen Sozialdiensten, wie dem Roten Kreuz, zu nutzen. In der Regel nur vor 10:00 Uhr, da danach die Straße so stark von Touristen bevölkert ist, dass auch ein Einsatzwagen des Roten Kreuzes hier nicht verantwortungsvoll fahren kann. Es ist die sicherste, bequemste, aber auch teuerste Möglichkeit und wird direkt mit dem Roten Kreuz abgestimmt, wobei das Ticketcenter im Vorfeld behilflich ist. Kosten 30 – 40,- €.

Der Behinderten-Transfer vom Roten Kreuz ist eine angenehme Transportmöglickeit

Kompetentes Personal vom Roten Kreuz bringt die Rollstuhlfahrerin zum Schloss. ©Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Im Reich der Könige und Prinzessinnen

Hat man diese Fahrt, die von hilfsbereiten und kompetenten Mitarbeitern des Roten Kreuzes durchgeführt wird, hinter sich, dann kommt die Belohnung: Plötzlich liegt das Märchenschloss von König Ludwig II., das man auf der Anreise in weiter Ferne sah, greifbar nah vor den Besuchern. Durch die Gewölbe des Schlosses, dem Ausgang für die Touristen, geht es für den Rollstuhl in das Märchenschloss und plötzlich ist man im Reich der Könige und Prinzessinnen.

Eintauchen in die damalige Epoche

Man geht durch die langen Gänge im unteren Teil des Schlosses zum Aufzug und wird gedanklich in die Zeiten von Träumen und Vorstellungen versetzt, als noch Könige und Prinzessinnen durch Märchen wandelten. Die Besucher sehen die Pracht, die König Ludwig II. hier aufgebaut hat bzw. aufbauen wollte. Denn: Neuschwanstein ist unvollendet und stellt nicht den von König Ludwig II. geplanten Endzustand dar. Trotzdem wird man gefangen genommen von einer anderen Welt. All die Gemächer, die Säle, lassen einen eintauchen in die damalige Epoche, die fast ein wenig Sehnsucht hervorruft, mit welcher Beschaulichkeit und Zeit des Genusses diese Menschen leben konnten. Ohne Fernseher, ohne Smartphone, ohne Computer und ohne von einem Termin zum nächsten zu hetzen. Doch das ist ein Traum, denn genutzt hat dieses Schloss zu Lebzeiten ausschließlich König Ludwig II. für sich mit seinen Bediensteten.

Besuch mit freier Zeitplanung

Der Rückweg kann unterschiedlich geplant werden, da zur Bushaltestelle der Weg hinauf geht und somit die relativ steile Strecke leichter zu bewältigen ist, als bergab. Bei einem Transport mit dem Roten Kreuz ist nur eine geringe zeitliche Flexibilität gegeben. Alle anderen Möglichkeiten erlauben eine freie Zeitplanung. Das besonders deshalb, da sich im Schloss eine Rollstuhltoilette befindet.

Fazit: Das Schloss Neuschwanstein ist es wert, gesehen zu werden. Alles ist perfekt organisiert und der Andrang ist extrem. Bei entsprechender Vorbereitung ist das machbar und diese ist erforderlich, da auch eine rollstuhlgerechte Unterkunft gebucht werden muss. Z.B. Alpchalet-Schwanstein, in 87642 Buching, 10km, 12 Minuten Fahrstrecke entfernt, mit einem rollstuhlgerechten  Doppelzimmer.

Ideale Ergänzung: Das Museum der bayrischen Könige

Nicht weit vom Parkplatz P4 bzw. am vom Rollstuhlfahrer genutzten Parkplatz, befindet sich das Museum der bayrischen Könige (Eintritt ermäßigt: 10,- €), das in jeder Hinsicht für Rollstühle geeignet ist und das Erlebte von Neuenschwanstein in idealer Weise ergänzt.

Mit dem Rollstuhl zum Schloss Neuschwnastein von König Ludwig II.

Die Rampe mit geringer Steigung lässt Rollstuhlfahrer auch allein in das Museum fahren. © Stefan Weller / Wittelsbacher Ausgleichsfonds München

Hier erfährt man alle Hintergründe über die Königshäuser. Der Audioguide führt den Besucher elektronisch durch die Ausstellung. Möchte man das Erlebnis steigern, so ist die persönliche Führung das Nonplusultra des Erlebbaren. Auf warmherzige Weise geht das Museumspersonal auf Fragen ein, die auf äußerst charmante, kurzweilige Weise kompetent mit viel Hintergrundwissen beantwortet werden.

Mit dem Rollstuhl im Inneren des Schloss Neuschwanstein

Die Exponate sind in einer für Rollstuhlfahrer angenehmen Höhe angeordnet. © Stefan Weller / Wittelsbacher Ausgleichsfonds München

Hier erfährt man unter anderem, wie die drei Berge Vilser Kegel, Köllenspitze und Gimpel hinter dem Alpsee zu ihrem Namen kamen und wie «unanständig» sie vor dem Besuch von Marie Friederike von Preußen auf dem Tegelberg im Jahr 1854 hießen, warum König Ludwig II. einen Bart trug, fast immer ein parfümiertes Tüchlein vor den Mund hielt und warum sich Bayern mit «y». und nicht mehr mit «i», also Baiern schreibt.

Das Schloss Hohenschwangau greifbar nah und doch unerreichbar

Das Schloss Hohenschwangau, in greifbarer Nähe vom Parkplatz 4, ist für Rollstuhlfahrten ungeeignet, da zu viele Treppen den Weg versperren und die Zugangsstraße eine sportliche Herausforderung an die Begleitperson darstellt.

Schloss Hohenschwangau von König Ludwig II.

Hohenschwangau trotzt über den Besuchern © Stefan Weller / Wittelsbacher Ausgleichsfonds München

Schloss Linderhof, das einzige vollendete Schloss von König Ludwig II.

Das Schloss Linderhof, das einzige Schloss das König Ludwig II. zu Lebzeiten vollendet erleben konnte, zeigt auf ganz andere Weise den Luxus der damaligen Zeit.

Das Schloss Lindenhof von König Ludwig II.

In Linderhof, der «Königlichen Villa», verbrachte Ludwig II. in seinen letzten Lebensjahren die meiste Zeit. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Rollstuhlfahrer können sich im Außenbereich zwar leichter bewegen, als bei Neuschwanstein, aber der Aufgang vom Behindertenparkplatz ist so steil, dass der Weg nur von sehr sportlichen Menschen allein im Rollstuhl bewältigt werden kann. Oder mit elektrischer Hilfe bzw. Begleitperson. Im Schloss selbst gibt es keinen Aufzug, aber auch hier haben sich die Verantwortlichen einen Kompromiss einfallen lassen: Mit dem Treppenlift geht es in den ersten Stock und später wieder bergab.

Mit dem Rollstuhl zum Schloss Linderhof von König Ludwig II.

Der Treppenlift bringt Rollstuhlfahrer über die Stufen bis zum oberen Stockwerk. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Durch dieses Gerät kann auch die eingeschränkt bewegungsfähige Person das Schloss Linderhof bewundern. Leider ist der Garten mit vielen Treppen versehen und nur von oben zu betrachten. Um diesen Garten genießen zu können, sind die besten Zeiten: Ab Ende April  oder kurz nach den bayrischen Sommerferien. Ab Mitte Oktober wird der Park winterfest gemacht und im Außenbereich ist noch ein Bruchteil der wirklichen Pracht zu sehen. Die Rollstuhltoiletten befinden sich nicht in der Nähe des Rollstuhlparkplatzes, sondern am Eingang des Hauptparkplatzes und kurz vor dem Schloss. Es passt der Euroschlüssel. Der Parkplatz kostet für Rollstuhlfahrer 2,50 €.

Die von König Ludwig II. künstlich angelegte Grotte bei Linderhof wurde für die dringend erforderliche Restaurierung im Oktober 2016 für mindestens 5 Jahre geschlossen.

Herrenchiemsee, der «Tempel des Ruhms» – eine Huldigung des Sonnenkönigs Ludwig XIV.

Die nächste Etappe ist das von Neuschwanstein etwa 150km entfernte Herrenchiemsee. Um zu der Insel mit Schloss Herrenchiemsee zu gelangen ist eine Bootsfahrt ab Prien oder einer anderen Anlegestelle des Passagierbootes erforderlich. Der Zugang, wie auch der Weg auf das Schiff, ist mit einer Begleitperson möglich. Trotzdem hilft das Personal tatkräftig, so dass diese Barriere problemlos zu bewältigen ist. Gleiches gilt für den Ausstieg.

Über die Bootsrampe zum Schloss Herrenchiemsee

Die Rampe erlaubt Rollstuhlfahrern die Insel zu besuchen. ©Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Die Fahrt mit dem Schiff ist für Besitzer einer Wertmarke kostenlos, ebenfalls für die Begleitperson, sofern ein «B» im Behindertenausweis eingetragen ist. Der Parkplatz in Prien kostet 4,50 € pro Tag, da der Rollstuhlparkplatz sich innerhalb des Großparkplatzes befindet.

Die volle Pracht der Vision König Ludwig II

Herrenchiemsee erreicht, zeigt sich die volle Pracht der Vision König Ludwig II. Die ganze Insel, wie auch das Schloss, ist mit dem Rollstuhl durchfahrbar. Es gibt nur wenige Flecken, die ausgespart werden müssen. Auch hier ist die Möglichkeit mit der Pferdekutsche oder zu Fuß bzw. mit Rolli zum Schloss zu fahren oder zu laufen, gegeben.

Rollstuhlrampe auf Herrenchiemsee

Das Schloss ist durchweg rollstuhlgerecht. ©Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Schloss Herrenchiemsee im Innern

Die Treppe, uneinnehmbar, wird überwunden … © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Ein Fahrstuhl im Schloss Herrenchiemsee von König Ludwig II. führt in die oberen Etagen

… mit dem Fahrstuhl zu den oberen Räumlichkeiten. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Die Führung zeigt Gemächer und viele Details, die König Ludwig II., den Sonnenkönig Ludwig XIV huldigend, hat anfertigen lassen, darunter im Speisezimmer einen Meissner Porzellanlüster, der einmalig ist und nach dessen Fertigstellung König Ludwig II. alle Pläne und Formen vernichten ließ, so dass ein Nachbau für alle Zeiten ausgeschlossen war. Das Speisezimmer beinhaltet noch eine weitere Besonderheit: Tischlein – deck – dich, ein versenkbarer Tisch, der im unteren Stockwerk mit Speisen gefüllt wurde, um sie zu Ludwig II, hochzugekurbeln, was dem König ein Speisen ohne Personal ermöglichte. Es ist nicht überliefert, wie kalt die Nahrung im oberen Stock ankam.

Meissner Kronleuchter im Schloss Herrenchiemsee

Der Meißner Kronleuchter ergänzt die prunkvolle Ausstattung des Speisezimmers. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Auch die Vorhänge, Polster und weiteren Stoffe sind im Original erhalten und wurden vielleicht von König Ludwig II. persönlich berührt. Man kann schwelgen in einer Welt die uns heute nicht mehr zugänglich ist, die aber anregt zum Träumen und zu gedanklichen Ausflügen in die Welt der Phantasie. König Ludwig II. hat Herrenchiemsee prunkvoller ausstatten lassen als das Original in Versailles und Räume rekonstruiert, die in Versailles nicht mehr existierten.

prunkschrank-schloss-herrenchiemsee

Der Prunkschrank ist nicht vollendet. Vermutlich war in ihm die Unterbringung von Musikinstrumenten vorgesehen.  © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Mit dem Rollstuhl zur Spiegelgallerie im Schloss Herrenchiemsee

Die berühmte Spiegelgallerie, dem Saal in Versailles von Ludwig XIV. nachempfunden, ist acht Meter länger als das Original  in Frankreich. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Das Schlafzimmer von König Ludwig II. im Schloss Herrenchiemsee

Das Schlafzimmer König Ludwig II. Im Gegensatz zu Ludwig XIV., dem Sonnenkönig, bezeichnete sich Ludwig II. als Mondkönig. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Die kleine Galerie im Schloss Herrenchiemsee

Die Kleine Galerie soll an die früher vorhandene «Petite Galerie» in Versailles erinnern. © Stefan Weller / Bayerische Schlösserverwaltung

Frauenchiemsee ist die kleine, liebevolle Schwester von Herrenchiemsee.

Hier gibt es nicht den Rummel, der Herrenchiemsee dominiert. Das Kloster mit der Kirche, den Kräutergärten und einem beschaulichen Ambiente lassen einen ein wenig verschnaufen und, wenn man will, beim Klosterwirt, der über eine Rollstuhltoilette verfügt, eine bayrische Haxe oder die Renke im Kräutermantel, verzehren. Im Braustüberl erlebt man neben Bierbrat’l (Schweinebauch in Biersauce) eine Gruppenführung durch die eigene Brauerei, an der auch Rollstuhlfahrer teilnehmen können. Die Kirche hat am Haupteingang Stufen. Barrierefrei kommt man über das Kloster in die Kirche. Die ganze Insel ist für Rollstuhlfahrer relativ einfach erkundbar. Inselführungen werden von Frau Monika Huber im Inselladen angeboten.

Mythos König Ludwig II.

War Ludwig II. wirklich entrückt oder ein missverstandener Visionär, der von einem Arzt, der ihn nicht einmal kannte, für verrückt erklärt wurde, um den Kabinettmitgliedern die Arbeitslosigkeit zu ersparen? Ist er wirklich ertrunken, oder waren es zwei Schüsse in seinen Rücken, als er bereits auf der Flucht war? Wir könnten es nur erfahren, wenn die Nachkommen Ludwigs II. der Öffnung des Grabes zustimmen würden. Eins aber rechnen alle Ludwig II. hoch an: Er hat sein Geld in Bauwerke investiert, die der Nachwelt Glück und Freude bringen und nicht in Kriege, die, wie bei vielen anderen Herrschern, viel Geld und Menschenleben gefordert hätten. Vielleicht wäre in der damaligen Zeit mehr Verständnis dafür aufgebracht worden und hätte möglicherweise nicht dazu geführt, dass König Ludwig II. für geisteskrank erklärt wurde. Für Kriegsschulden wurde wohl kaum ein Feldherr jemals für verrückt erklärt.

Mit dem Schlösserticket in alle drei Schlösser

Möchte man die 3 Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee besuchen, kann man das Kombiticket «Königsschlösser» für 24,-€ erwerben. Das lohnt sich für eine Begleitperson, wenn kein «B» im Ausweis des Rollstuhlfahrers eingetragen ist. Natürlich auch für jeden, der nicht behindert ist und alle drei Schlösser besuchen möchte, zumal es 6 Monate gültig ist.

Zusammenfassend kann man sagen, dass alle drei Schlösser für Rollstuhlfahrer erreichbar sind. Erforderlich ist eine Begleitperson. Lediglich das Museum der bayrischen Könige ist in jeder Hinsicht barrierefrei und kann vom Rollstuhlfahrer ohne Begleitung besucht werden. Im Schloss Linderhof kann im Inneren die komplette Führung wahrgenommen werden. Im Außenbereich können verschiedene Wege durch den Garten mit weiteren Sehenswürdigkeiten, wie z.B. dem Maurischen Kiosk mit dem Rollstuhl erkundet werden.

Herrenchiemsee zeigt ganzjährig nahezu alle original erhaltenen Utensilien, die König Ludwig II. hinterlassen hat und bietet sogar einen Transport bei Eis und Schnee. Für den Notfall sind Treppensteiger und Rollstühle vorhanden. Diese werden so gut wie nie benötigt, da Aufzüge Rollstuhlfahrern eine komfortable Besichtigung erlauben.

Die Rückfahrt mit dem Schiff erfolgt in den Sommermonaten alle halbe Stunde, sonst stündlich.

Weitere Informationen erhalten Sie über Internet unter:

www.neuschwanstein.de

www.neuschwanstein.de/mobilitaet.htm

www.linderhof.de

www.herrenchiemsee.de

www.hohenschwangau.de

www.hohenschwangau.de/840.html

*Gemeint sind immer Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen. Hier wird aufgrund der leichten Lesbarkeit meist nur eine Variante verwendet.

Mit dem Rollstuhl zur Märchenwelt von König Ludwig II.
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Stefan Weller

Über Stefan Weller

Ingenieur & Wasser-, Technik- und Naturexperte

Kommentare

  1. Küttner

    16. November 2016 at 8:19

    toller Beitrag! Kompliment!
    Gisela aus Leipzig, Freundin von Monika aus Kindertagen in DD

    • Stefan Weller

      Stefan Weller

      16. November 2016 at 20:25

      Sehr geehrte Frau Küttner,

      es freut uns, dass Ihnen der Artikel gefällt. Vielen Dank! Auch für Interessierte ohne Behinderung lohnt sich der Besuch in jedem Fall. Gönnen Sie sich dieses Erlebnis!

      Herzliche Grüße von

      Stefan Weller

  2. Ursel

    19. März 2017 at 19:42

    Ihre Reisebeschreibung hat mir sehr gut gefallen. Zumal ich schon lange den Wunsch habe die Schlösser kennenzulernen. Ihre Reportage hat mir viele Fragen beantwortet, so dass ich noch in diesem Jahr die Reise unternehmen werde. Vielen Dank und ich freue mich auf weitete Beschreibungen für Rollstuhlfahrer.

  3. Stefan Weller

    Stefan Weller

    20. März 2017 at 23:28

    Hallo Ursel, es freut mich außerordentlich, dass Ihnen der Artikel geholfen hat, den lang gehegten Wunsch die Schlösser zu besichtigen, in Angriff zu nehmen. Sie können mir gern schreiben, welche Eindrücke Sie auf Ihrer Reise gewonnen haben. Ein weiterer Artikel über Rollstuhlurlaub ist über das Ferienzentrum in San Felice erschienen. Klicken Sie hierzu das graue Feld „Rollstuhlreisen“ unter dem Artikel an. Dort finden Sie ihn.

    Ganz herzlich

    Stefan Weller

  4. Carolin

    1. April 2017 at 13:28

    Ich bin zwar (zum Glück!) keine Rollstuhlfahrerin, aber der Artikel hat mir Lust gemacht auch einmal die Ludwigschlösser zu besuchen. Vielen Dank!

    • Stefan Weller

      Stefan Weller

      1. April 2017 at 20:28

      Da haben Sie recht: Die Ludwig II. Schlösser sind immer ein Erlebnis, ob mit oder ohne Einschränkung. Viel Freude!

      • Zell, Monika

        4. Mai 2017 at 20:06

        Sehr geehrter Herr Weller! Ich bin beeindruckt von Ihrem Artikel „Mit dem Rollstuhl zu König Ludwig II.“ Nicht nur der Artikel ist bildhaft geschrieben, sondern auch die Fotos sind glänzend geraten. Ich glaube, dass es für die Rollstuhlfahrerin ein bleibendes Erlebnis war und sie noch weiterhin interessante Reisen unternehmen kann.Es macht auch Lust, das alles selbst hautnah zu erleben.
        Ich bedanke mich vielmals bei Ihnen und freue mich auf weitere interessante Artikel. Mit freundlichem Gruß M. Z.

        • Stefan Weller

          Stefan Weller

          8. Mai 2017 at 20:52

          Sehr geehrte Frau Zell,

          vielen Dank für Ihre Komplimente! Sie haben volkommen recht: Diese Reise war für alle Beteiligten ein wunderbares Erlebnis, an das wir gern zurück denken. Hinzu kommt, dass die Verwaltungen der Schlösser sich sehr engagiert zeigten, auch Personen mit eingeschränkter Mobilität den Besuch zu ermöglichen.

          Nochmals vielen Dank für Ihre Zeilen!

          Ganz herzlich

          Stefan Weller

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