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Der Internetkonsum bei Jugendlichen liegt bei bis zu 5,4 Stunden pro Tag im Durchschnitt. Was machen Jugendliche eigentlich die ganze Zeit «in diesem Internet»? Eine neue Studie zeigt, wie die junge Generation das ständige Online-Sein erlebt und was sie da so treibt. Manche werden nervös, wenn sie längere Zeit nicht online sind.

Das ständige Online-Sein von Jugendlichen bereitet vielen Erwachsenen Sorge. Und der Extremfall von Onlinesucht ist ohne Zweifel ein ernstzunehmendes Problem. Doch zeichnen die Umfrageresultate ein sehr vielfältiges und differenziertes Bild der Onlineaktivitäten und Nutzungsdauern von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Internetkonsum bei Jugendlichen in ihrer Freizeit?

Im Durchschnitt sind Jugendliche pro Tag in ihrer Freizeit 4 Stunden online. 16- bis 25-Jährige sind in ihrer Freizeit im Mittel 90 Minuten länger online als 40- bis 55-Jährige. Doch auch unter der jungen Generation gibt es Unterschiede: Jugendliche aus Schulen mit hohen Anforderungen sind täglich eine halbe Stunde weniger lange online als Jugendliche aus Schulen mit mittleren Anforderungen oder Grundanforderungen.

Grafik über den Internetkonsum von Jugendlichen in der Schweiz
Grafik: Eidgenössische Kommission für Kinder -und Jugendfragen (EKKJ)

Jugendliche sind in ihrer Freizeit deutlich länger online als Erwachsene (4 Stunden vs. 2.5 Stunden). Der wesentliche Unterschied liegt im Anteil der Wenignutzenden: 40 % der Erwachsenen, aber nur 12 % der Jugendlichen sind in ihrer Freizeit pro Tag höchstens zwei Stunden lang online. Hingegen sind ähnlich viele Jugendliche wie Erwachsene fünf Stunden lang oder mehr online (25 % vs. 21 %).

Grafik: Mittlere Online-Zeit in der Freizeit bei Jugendlichen und Erwachsenen
Grafik: Eidgenössische Kommission für Kinder -und Jugendfragen (EKKJ)

Im Mittel nehmen Jugendliche pro Tag ihr Handy 30 Mal in die Hand, Erwachsene nur 15 Mal. Besonders auffällig: Nur 11 % der Erwachsenen, aber 37 % der Jugendlichen nehmen das Handy mehr als 50 Mal pro Tag in die Hand.

Messenger Chats und Soziale Netzwerke nutzt die überwiegende Mehrheit mehrmals täglich

Messenger Chats (bspw. WhatsApp), Soziale Netzwerke (bspw. Instagram), E-Mail und Videoportale (bspw. YouTube) werden von der Mehrheit aller Jugendlichen mehrmals am Tag verwendet. Von den meisten Jugendlichen nicht täglich, aber mehrmals pro Woche verwendet werden Informationsseiten (z.B. Wikipedia, Zeitungsseiten, Sport-Live-Ticker, Foren) und Streamingdienste für Filme.

Nutzungsintensität von Online-Plattformen durch Jugendliche (16–25)
Grafik: Eidgenössische Kommission für Kinder -und Jugendfragen (EKKJ)

Von einer Minderheit regelmässig verwendet werden Onlinespiele, Online-Shopping und E-Book-Plattformen.

Online-Aktivitäten die Jugendlichen wichtig sind

In Kontakt sein, berufliche/schulische Informationen sowie Unterhaltung hat für fast alle Jugendlichen eine hohe Bedeutung. Wichtig sind vielen Jugendlichen auch Online-Informationen zu Freizeit und Gesellschaft.

Grafik: Wichtigkeit verschiedener Online-Aktivitäten für Jugendliche (16–25)
Grafik: Eidgenössische Kommission für Kinder -und Jugendfragen (EKKJ)

Eher wenig Jugendlichen ist es wichtig, auf Sozialen Netzwerken auf Profilen rumzustöbern und etwas von sich zu zeigen oder Dinge digital kreativ zu gestalten.

Wie erleben Jugendliche ihren Internetkonsum?

Grundsätzlich überwiegen für Jugendliche die positiven Aspekte von ihrem Interntkonsum. Fast alle Jugendlichen schätzen es, jederzeit in Kontakt mit anderen sein zu können und gehen online, wenn sie sich langweilen. Sehr viele Jugendliche haben das Gefühl, dass andere online eine schnelle Reaktion erwarten und dass die Vielfalt an Informationen das Leben reicher macht.

Grafik: Erlebensweisen von «always on» bei Jugendlichen (16–25)
Grafik: Eidgenössische Kommission für Kinder -und Jugendfragen (EKKJ)

Ungefähr 60 % der Jugendlichen finden, dass ihre Online-Aktivitäten sie glücklich und die Online-Möglichkeiten ihr Leben reicher machen. Etwa ein Drittel der Jugendlichen will nichts Wichtiges verpassen, fühlt sich unter Druck gesetzt durch Apps, welche die Nutzung belohnen und unterscheidet Treffen oder Online-Kontakte nicht. Ein Viertel der Jugendlichen wird nervös, wenn sie längere Zeit offline sind. Die positiven Aussagen werden durchgehend von der Mehrheit, die meisten negativen Aussagen von einer Minderheit der Jugendlichen bestätigt.

Was auffällt: Ein Viertel der Jugendlichen wird nervös

Bei den Jugendlichen, die bei sich selber Entzugssymptome feststellen («ich werde nervös, wenn ich längere Zeit nicht online bin»), haben Social Media und Kommunikation eine besonders hohe Bedeutung. Diese Jugendlichen fühlen sich stärker als andere Jugendliche gestresst durch den Online-Vergleich mit anderen und durch Apps, die Anwesenheit belohnen und Abwesenheit bestrafen.

Zur Studie: www.ekkj.admin.ch

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