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Von vielen unbeachtet, ereignete sich im Jahr 2002 eine Art digitale Singularität. Erstmals ist es der Menschheit gelungen, mehr Daten in digitaler Form zu speichern, als analog zu konservieren. Dieser Zeitpunkt markiert den Beginn des digitalen Zeitalters, welches umfassende Änderungen von Prozessen in allen erdenklichen Lebensbereichen mit sich brachte. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Brandschutz-Branche aus. Eine der bedeutendsten Neuerungen stellt das so genannte Building Information Modeling dar, kurz BIM. 

Was ist Building Information Modeling (BIM)?

Bei Building Information Modeling handelt es sich um ein Verfahren zur digitalen Gebäudemodellierung, also der vernetzten Planung von Gebäuden, sowie deren anschließenden Errichtung und andauernden Verwaltung. Hier handelt es sich aber nicht um bloße 3D Modelle, sondern hier fließen alle für Planung, Errichtung und Betrieb relevanten Informationen zusammen. Die überzeugenden Besonderheiten einer solchen Software liegen in deren spezifischen Vorteilen. 

Vorteile digitaler Gebäudemodellierung

Analogen Vorgehensweisen gegenüber ist die digitale Planung unter anderem im Hinblick auf die Einfachheit der Kollaboration überlegen, also die Möglichkeit, dass alle Projektbeteiligten gemeinsam auf Pläne und Modelle zugreifen und daran mitarbeiten können. Klassischerweise durchläuft ein Projekt vom Architekten über Fachingenieure bis hin zu Brandschutzgutachtern und Behörden mehrere Etappen. 

Die Bauleitung gleicht mit allen Beteiligten die Brandschutz-Maßnahmen ab.
Die Bauleitung gleicht mit allen Verantwortlichen die Brandschutz-Maßnahmen ab. Quelle: pixabay

Änderungen können bei diesem Vorgehen nur umgesetzt werden, indem die aktualisierten Pläne erneut von allen Beteiligten gegengeprüft und in eigene Fachplanungen übernommen worden sind. Dies nimmt viel Zeit in Anspruch und kann, was beispielsweise den Brandschutz angeht, durch wichtige Aktualisierungen von Normen und Richtlinien, wie DIN oder VdS und weiteren Regelwerken, welche fast täglich stattfinden, zusätzlich erschwert werden. 

Sobald aber solche Änderungen vom Fachplaner für Brandschutz mithilfe einer Software zur digitalen Gebäudemodellierung eingegeben werden, wirken sich diese Änderungen unmittelbar auch auf die Pläne der anderen mitwirkenden Fachkräfte aus. Technische Gebäudeplaner wissen so beispielsweise sofort um die Notwendigkeit der Einplanung zusätzlicher Einbauten Bescheid und können diese berücksichtigen. Eine softwareseitige Kollisionsprüfung neuer Eingaben mit bestehenden Plänen kann zudem viel Zeit sparen, da mögliche Inkompatibilitäten verschiedener Bauplanelemente nicht erst bei deren Errichtung auffallen.

Verbreitung Zukunft des BIM

Auch nach der Fertigstellung von Gebäuden ist die digitale Gebäudemodellierung zukünftig jedoch kaum noch aus der Gebäudeverwaltung wegzudenken. Der zunehmende Einsatz von elektronischen Sensoren für verschiedene Parameter wie Temperatur, Feuchtigkeit, Luftqualität, Bewegungsmeldern und natürlich Rauchmeldern oder elektronisch gesteuerten Feuerschutztüren macht einen zentralen Datensammelpunkt sogar erforderlich. 

Ein solches Gebäudemodell, in dem alle Messdaten und sonstigen Informationen zum Gebäude und dessen Bestandteilen zusammenfließen, ermöglicht dem Betreiber unter anderem auch, Informationen zur Wartung von Brandschutztüren, sowie Lösch- oder Rauchabzugsanlagen abzurufen. Besonders bei großen Immobilien macht sich ein solches Modell auch im Gefahrenfall verdient, wenn die Evakuierung dynamisch über sichere Fluchtwege gelenkt werden kann. 

In einem Kontrollraum überwachen die Mitarbeiter die Sicherheitsmassnahmen
Die digitale Gebäudemodellierung ist kaum noch aus der Gebäudeverwaltung wegzudenken. Quelle pixabay

Trotz zahlreicher Vorteile schreitet die Verbreitung von BIM bisher aber nur langsam voran. Obwohl die Vorzüge der digitalen Gebäudemodellierung gegenüber analogen Verläufen zweifelsfrei vielen Brandschützern bekannt sind und BIM in der Branche als zukunftsweisend gilt, liegen praktische Erfahrungen mit solcher Software auch im Jahr 2019 noch verhältnismäßig selten vor. Die Umstellung wird aber voraussichtlich auch für die Brandschutzbranche im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung langfristig unausweichlich, da immer mehr brandschutzrelevante Daten am Gebäude erhoben werden können und zukünftig auch erhoben werden müssen.

So erkennt der Brandschutzingenieur Stefan Truthän (hhpberlin) «eine Vielzahl von Ansätzen für smarten vorbeugenden Brandschutz, die zu einer schnellen und effizienten Gebäudeplanung führen und gleichzeitig ein hohes Sicherheitsmaß bieten». Wenn sich, wie hier, Sicherheitsaspekte mit erhöhter Zeiteffizienz und damit Wirtschaftlichkeit vereinen, ist der Weg zur flächendeckenden Umsetzung geebnet.

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