Momentan blühen sie wieder, die schönen, goldgelben Rispen der Goldrute. Dabei müssen wir verschiedene Arten unterscheiden: die Echte Goldrute (Solidago virgaurea), die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) und die Riesengoldrute (Solidago gigantea).

Für alle drei Arten liegt eine Positivmonographie der Kommission E vor. Trotzdem gibt es ein paar Unterschiede bei den Anwendungen, worauf ich später genauer eingehen möchte.

Biologie der Goldrute

Die Echte Goldrute gehört zu den Korbblütlern, sie gedeiht auf trockenen Hügeln und Heiden und teilweise in Wäldern und kommt in Europa, Asien, Nordafrika und Nordamerika vor. Die Pflanze ist ca. 1 Meter hoch, hat runde, gestreifte und teils behaarte Stengel mit wechselständig angeordneten Blättern. Im oberen Abschnitt sitzen die rispig angeordneten, gelben Blüten.

Im Vergleich: Echte Goldrute / Kanadische Goldrute
Die beiden Goldruten-Arten im Vergleich. Photos by Fotolia

Die Kanadische Goldrute oder auch Riesengoldrute besitzt lange, spitz zulaufende Blütenrispen mit vielen kleinen einzelnen goldgelben Blüten. Sie wurde erst im 19. Jahrhundert bei uns eingeschleppt und wächst nun verwildert auf Wiesen, Waldrändern und an Seeufern.

Erst spät entdeckt

In der antiken Welt war sie als Heilpflanze unbekannt, sie wurde erst im 16. Jahrhundert in Werken von Bock, Lonicerus und Matthiolus erwähnt. Sie priesen sie als Wundkraut für äußerliche und innerliche Verletzungen. Matthiolus beschreibt erstmals ihre Eigenschaft als harntreibendes und steinbrechendes Mittel. Außerdem nutze man sie bei Halsschmerzen, Zahnschmerzen und  bei Hüftleiden und Rheuma. Es ist überliefert, dass Martin Luther seine körperlichen Gebrechen mit der Goldrute behandelt hat.

Goldrute in der freien Natur
Photo by Katrin Seemann

Der Gattungsname «Solidago» kommt wahrscheinlich vom lateinischen «solidus = fest» oder von «solidare = zusammenfügen, befestigen» was sich auf die wundheilende Eigenschaft beziehen könnte. Die deutsche Bezeichnung «Goldrute» wie auch der Beiname «virgaurea» (virga = Rute, aurea = goldig) verweist beides auf Form und Farbe des Blütenstandes.

Droge

Geerntet wird das Kraut zu Beginn der Blütezeit von August bis in den Oktober hinein. Man verwendet das blühende Kraut mit weniger als 20% Stengelanteil.

Goldruten-Tee
Photo by Annie Spratt on Unsplash

Der Tee wird wie folgt zubereitet: 1TL Droge mit 150ml heißem Wasser überbrühen und nach 20 min. abgießen (um Flavonoide bestmöglich zu lösen), 2 bis 4 mal täglich eine Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Inhaltsstoffe und Wirkungen

Die Pflanze besitzt ein sehr komplexes Spektrum an Inhaltsstoffen, bei dem einzelne Komponenten synergetisch zusammenwirken und verschiedene biologische Effekte erzielen. Die Wirksamkeit bestimmend ist ein hoher Anteil an Flavonoiden (1-3%), außerdem finden wir Saponine, ätherische Öle, Kaffeesäurederivate und Gerbstoffe vor. Die Heilpflanze bewirkt eine direkte Leistungssteigerung der Nierentätigkeit und wirkt flüssigkeitsausschwemmend und krampflösend.

Goldrute in der Natur
Photo by Katrin Seemann

In der Echten Goldrute finden wir zusätzlich noch einen höheren Anteil an Phenolglycosiden vor (Leiocarbosid und Virgaureosid), welche für die entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung der Echten Goldrute verantwortlich sind. Hier unterscheiden sich also die Wirkungen der Goldrutenarten: benötige ich eine Durchspülungstherapie mit entkrampfender Wirkung, kann ich beide Arten verwenden, benötige ich darüber hinaus eine antibakterielle Wirkung und habe eine entzündliche Erkrankung, greift man lieber zur Echten Goldrute.

Goldrute hat darüber hinaus auch immunmodulatorische und eine antitumorale Eigenschaften.

Indikationen

Daraus ergeben sich die Anwendungen der Goldrute. Haupteinsatzgebiet sind entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Sie wird zur Durchspülung, Behandlung und Vorbeugung von Harnwegsinfekten, bei Reizblase, bei Harnsteinen, Nierengries und deren Prophylaxe genutzt. Außerdem nutzt man sie in der Volksmedizin zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen und als Begleittherapie bei Gicht. Weitere Anwendungen sind Hauterkrankungen, Entzündungen des Mund- und Rachenraumes sowie auch bei schlecht heilenden oder eiternden Wunden eine äußerliche Anwendung in Form von Bädern und Umschlägen.

Genutzte Darreichungsformen sind Tee, Tinktur oder als Fertigpräparat. Nebenwirkungen sind keine bekannt, nicht einsetzen darf man die Goldrute bei Ödemen infolge von eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion.

Aus dem Bereich der Mythologie gibt es diesmal nichts Bedeutendes zu berichten, sicher deshalb, weil die Pflanze als Heilkraut erst sehr spät bekannt wurde und die Kanadische Goldrute ja noch nicht so lange bei uns heimisch ist.

Zum Schluss möchte ich Ihnen einen alten Spruch zur Goldrute mit auf den Weg geben, der die ganze Wirkung dieser Pflanze noch einmal zusammenfasst:

«Der Wasserfluss im Körper stockt.

Es zwickt und schmerzhaft bockt.

Die Blase und der Nieren eine.

Womöglich liegen da auch Steine!

Da hilft Virgaurea die gute,

die ganz gemeine goldne Rute!»

In diesem Sinne bleiben Sie gesund, Ihre Katrin Seemann

Goldrute – das pflanzliche Nierenmittel erster Wahl
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1 KOMMENTAR

  1. Schön wenn man feststellt das man tolle Pflanzen im Garten hat wie die Goldrute. Noch besser wenn man erfährt was man damit alles zum positiven ändern kann. Bei mir müsste es die Kanadische Goldrute sein.

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