Ackerschachtelhalm – so alt und doch so aktuell

von am 10. Juni 2017
Ackerschachtelhalm – so alt und doch so aktuell Fotos ©Katrin Seemann

Wenn es so etwas wie Dinosaurier unter den Pflanzen gibt, dann ist es sicher der Ackerschachtelhalm. Schon vor 400 Millionen Jahren wuchsen Schachtelhalmgewächse auf unserer Erde, damals allerdings noch wesentlich größer, bis zu 30 Meter hoch. Er hat es die ganzen Jahrmillionen auf unserem Planeten überlebt, heute nur noch 20 – 30 cm hoch, aber immerhin.

Der Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) gehört zu den Schachtelhalmgewächsen und kommt in ganz Europa, Asien und Nordamerika vor. Equisetum entwickelt keine Blüten, die Pflanze vermehrt sich ungeschlechtlich. Aus einem etwa zwei Meter tiefen Wurzelgeflecht wächst im Frühjahr ein blassbeige bis brauner Sporentrieb, der wie ein überschlanker Pilz aussieht.

Trieb Ackerschachtelhalm

Der blassbeige bis brauner Sporentrieb, der wie ein überschlanker Pilz aussieht Foto ©Fotolia/evbrbe

Diese Frühjahrstriebe enthalten noch kein Chlorophyll und erst nach der Sporenreife entsteht die eigentliche Schachtelhalmpflanze, der grüne Sommertrieb, der einem Tannenbäumchen ähnelt. Die Stengelglieder sehen aus, als ob sie ineinander geschachtelt sind, daher der deutsche Name.

Grüne Sprossen des Ackerschachtelhalms

Der grüne Sommertrieb, ähnelt dem eines Tannenbäumchens. Foto ©Katrin Seemann

Verwendet werden die grünen Sprossen, die von Mai bis August geerntet werden. Die Droge ist fast geruchlos und neutral im Geschmack. Beim Kauen knirscht es meistens zwischen den Zähnen.

Was ist drin im Ackerschachtelhalm?

Hauptbestandteile sind hier ein sehr hoher Kieselsäureanteil von bis zu 10% (!), was die Pflanze zu einem wichtigen Bindegewebemittel macht. Ackerschachtelhalm gilt als Kieselsäuredroge Nummer 1 und fördert den Hautstoffwechsel und wirkt so bindegewebsfestigend, resistenzsteigernd und wundheilungsfördernd. Der Stoffwechsel der Haut, des Bindegewebes, des Unterhaugewebes und der Sehnen und Bänder wird aktiviert. Außerdem finden wir einen hohen Anteil an Flavonoiden, welche für den harntreibenden Effekt verantwortlich sind.

Indikationen

Ackerschachtelhalm wird als Durchspülungstherapie bei allen bakteriellen, entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege eingesetzt. Auch bei Nierengrieß und rheumatischen Erkrankungen sowie bei Stoffwechselleiden, wie z.B. Gicht, findet die Pflanze Anwendung. Die Zubereitung als Tee ist etwas aufwendiger als bei anderen Pflanzen. 1EL der Droge geben Sie in 150ml Wasser, das ganze 15 Minuten kochen lassen und nach 20 Minuten abgießen. Außerdem gibt es die Pflanze als Saft oder in Form von Fertigpräparaten. Innerlich und äußerlich angewendet hilft Ackerschachtelhalm auch bei posttraumatischen oder statischen Ödemen.

Tee aus Ackerschachtelhalm

Die Zubereitung mit Ackerschachtelhalm ist etwas aufwendiger als bei anderen Pflanzen. Foto ©Katrin Seemann

Äußerlich wirkt die Pflanze bei chronischen Ekzemen, Neurodermitis, lokalen Durchblutungsstörungen oder Frostbeulen. Unterstützend leistet sie gute Dienste bei schlecht heilenden Wunden sowie auch bei kosmetischen, vorbeugenden und therapeutischen Behandlungen bei Haut- und Haarproblemen. Ackerschachtelhalm unterstützt auch den Heilungsprozess bei Köchelbrüchen oder –verrenkungen. Hier erfolgt die Behandlung in Form von Bädern, Umschlägen oder Kompressen.

Geschichte und Mythologie

Ein im Volksmund häufig gebrauchter Name des Ackerschachtelhalms ist Zinnkraut. Beides ist also das gleiche. Man nutzte die stark kieselsäurehaltigen Stengel der Pflanz früher zum Reinigen des Zinngeschirrs.

Bereits seit dem Altertum wurde der Schachtelhalm zur Wundheilung und bei Verletzungen eingesetzt. Früher nutzte man noch verschiedene Arten des Schachtelhalms. Heute sollte man medizinisch nur noch den Ackerschachtelhalm einsetzen. Es gibt auch giftige Arten, deshalb ist Selbersammeln nur bei genauer Kenntnis der einzelnen Arten angeraten. Bei einigen anderen Arten findet man auch in den Stengelmanschetten einen schmarotzenden Pilz (Ustilage equiseti), welcher ein Alkaloid produziert, welches zu Erbrechen und Unwohlsein führt. Deswegen bitte nur den Ackerschachtelhalm sammeln und nutzen.

Dem Schachtelhalm wurde früher eine große blutungsstillende Wirkung nachgesagt. Die Wirkung sollte so groß sein, dass selbst das bloße Halten der Pflanze eine Blutung zum Stillstand bringen sollte. Sebastian Kneipp schenkte der Pflanze ebenfalls große Beachtung und erwähnt sie in seinen Werken voll des Lobes.

Im Brauchtum dagegen genoss der Ackerschachtelhalm kein so großes Ansehen. Man glaubte lediglich, dass an seinen Wurzelenden ein kleines Goldklümpchen hängt, welches man aber nur sehr schwer zu fassen bekommt, da das Wurzelwerk zu tief und verzweigt ist.  Vielleicht aber auch nur ein Argument, um die Landarbeiter bei der Feldarbeit zu motivieren?

Kleiner Tipp:

Blüten Ackerschachtelhalm

Um sich diese 10% Mineralien der Pflanze zu holen, hächsel ich den Ackerschachtelhalm ganz klein (wegen des Knirschens zwischen den Zähnen) und mische ihn gern zusammen mit Knoblauch und anderen Wildkräutern in den Quark.

#REZEPT: Wildkräuter Frühlingssalat

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Ackerschachtelhalm – so alt und doch so aktuell
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Katrin Seemann

Über Katrin Seemann

Ich leite das Naturzentrum Freital. Hier bieten wir Ausbildungen und Workshops zu alternativen Therapien für jedermann bzw. auch Weiterbildungen für Heilpraktiker, Therapeuten und Tierheilpraktiker an. Neben den Tieren gilt mein besonderes Interesse der Pflanzenwelt, insbesondere der Heilkräuter. Gern gebe ich mein Wissen in Seminaren, Kräuterwanderungen oder auch Schulprojekten weiter. Folgen Sie mir in die grüne Apotheke! http://www.naturzentrum-freital.de

Kommentare

  1. Melani Schrader

    Melani Schrader

    10. Juni 2017 at 12:38

    Toller Bericht…
    Gerne mehr…

  2. Ralf Wuzel

    Ralf Wuzel

    10. Juni 2017 at 12:44

    Zinnkraut wusste ich, aber das das das gleiche ist Ackerschachtelhalm…keine Ahnung!

  3. Sandra

    Sandra

    10. Juni 2017 at 21:40

    Ich finde Zinnkraut toll und habe Glück das es bei uns im Garten wächst.

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