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In unserer modernen Zeit, wo es fast nur noch um Leistung geht, wo Ängste um den Arbeitsplatz, hohe berufliche Anforderungen, Doppelbelastungen, Probleme menschlicher Art oder Umweltbelastungen ein große Rolle spielen, kommt es immer häufiger zu nervösen Angst- und Spannungszuständen, zu Unruhe, depressiven Verstimmungen und zu Schlafstörungen.

Dann benötigt ein überreiztes Nervenkostüm erst einmal auch Unterstützung im zwischenmenschlichen Bereich. Hier eine Grenze zwischen gesund und krank zu ziehen, fällt oft schwer. Hier gilt die Faustregel: Je mehr Beeinträchtigung jemand in seinem gewohnten Alltag durch Angst, Depression o.ä. erfährt, umso fortgeschrittener ist die Krankheit.

Bei Doppelbelastungen, Probleme menschlicher Art oder Umweltbelastungen kommt es immer häufiger zu Schlafstörungen.
Bei Doppelbelastungen, Probleme menschlicher Art oder Umweltbelastungen kommt es immer häufiger zu Schlafstörungen. Photo by Pixabay

Die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) in diesem Gebiet ist mit dem Durchbruch der modernen, synthetischen Psychopharmaka eine Zeit lang ins Hintertreffen geraten. Bei regelmäßiger Anwendung haben sich dann doch einige Nachteile dieser künstlichen Helfer entpuppt. Sie führen oft zu Gewöhnung, Abhängigkeit, Sucht, Verdrängung oder Betäubung und einigen anderen Nebenwirkungen. Für schwere, akute Störungen, vor operativen Eingriffen oder bei echten Psychosen sind synthetische Mittel sicherlich das Mittel der Wahl.

Aber bei allen leichten bis mittelschweren Angst- und Unruhezuständen, bei depressiven Verstimmungen oder Schlafstörungen sind die natürlichen Helfer aus dem Pflanzenreich zu bevorzugen und außerdem schon lange bewährt. So kann eine gezielte und umfassende Behandlung mit Heilpflanzen die Selbstheilungskräfte und Körperfunktionen anregen und den Organismus wieder zur Ruhe bringen.

Schlafstörungen, nervöse Unruhe

«Der Schlaf ist die köstlichste Erfindung» dichtete Heinrich Heine und meinte damit sicher eine erholsame, entspannte Nachtruhe, verbunden mit schönen Träumen.

Wir verbringen ca. 1/3 unseres Lebens mit Schlaf. Keine verschlafene Zeit, sondern wichtige Zeit zur Regeneration und lebensnotwendig. Erholsamer Schlaf ist Urquell unserer Gesundheit, Regeneration von Körper und Seele. Aber wer kenn es nicht, man wälzt sich unruhig im Bett hin und her, grübelt nachts, man wacht mitten in der Nacht auf und kann nicht wieder einschlafen. Sämtliche Techniken wie Schäfchen zählen, Atemübungen, meditieren, beten oder visualisieren helfen nicht. 

«Der Schlaf ist die köstlichste Erfindung» dichtete einst Heinrich
«Der Schlaf ist die köstlichste Erfindung» dichtete einst Heinrich Heine. Photo by Pixabay

Bei einer Therapie von Schlafstörungen und auf der Suche nach ihren Ursachen muss man immer den Menschen in seinem gesamten Umfeld wahrnehmen. Sind Schlafstörungen die Folge unserer modernen Hektik mit Überreiztheit, Nervosität, Unruhe oder Angst? Gibt es körperliche Beschwerden oder Erkrankungen? Führen Medikamente zu Schlafstörungen (Appetitzügler, Betablocker, Antidepressiva, Zytostatika…)?

Ungefähr ein Drittel aller Deutschen leidet an Ein- oder Durchschlafstörungen. Behandlungsbedarf besteht immer dann, wenn die Störungen länger als einen Monat andauern und an 3-4 Tagen pro Woche auftreten und damit zu Beeinträchtigungen im Alltag führen. Diese können sich äußern als Leistungsabfall, Konzentrationsprobleme, Tagesmüdigkeit, Gereiztheit, Kreislaufprobleme, Verdauungsstörungen, Muskelverspannungen oder Kopfschmerzen.

Häufig bringen schon Änderungen in der Lebensweise, körperliche Aktivität und Entspannungsmaßnahmen Besserung. Den persönlichen Lebensrhythmus anzunehmen ist eine Lernaufgabe des Lebens. 

Durchforsten Sie zuerst ihre Schlafhygiene:

  • Sind die Füße warm?
  • Ist das Schlafzimmer gelüftet? Passt die Zimmertemperatur?
  • Ist mein Zimmer dunkel? Passen die Matratze, die Bettdecke, die Schlafkleidung?
  • Habe ich mich tagsüber bewegt (oder nur mein Gehirn gearbeitet)?
  • Habe ich zu spät zu viel gegessen?
  • Belasten mich unlösbare Probleme?
  • Belastet mich Lärm, Dauergeräusche oder der schnarchende Bettnachbar?
  • Wie viel Schlaf brauch ich?
  • Nehme ich Medikamente?
  • Zuviel Kaffee?
  • Elektrosmog am Bettplatz? Wasseradern?
  • Wache ich immer zur Leberzeit auf? Dann anstelle von Schlafmitteln lieber die Leber unterstützen.
  • Was tut mir gut zur Einschlafzeit?

Dies sind nur einige Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man zu Einschlafhilfen greift.

Es ist besser, sich mit Heilpflanzen in Morpheus Arme führen zu lassen als sich mit Schlaftabletten zu betäuben. «Schlafpflanzen» wirken deshalb so gut, weil sie die für einen erholsamen Schlaf so wichtigen Traumphasen (REM) nicht stören. Allerdings benötigen Sie eine längere Zeitdauer, ehe die Wirkung einsetzt (1-3 Wochen). Dies ist wichtig zu wissen, dass man die Einnahme nicht zu zeitig abbricht, weil keine Sofortwirkung eintritt.

Ziel ist es immer, die Ruheregulation natürlich wieder zu aktivieren. Diese Pflanzen führen weder zur Gewöhnung oder zu Abhängigkeit, trotzdem gehören auch pflanzliche Schlafmittel nie zu einer Dauertherapie.

Welche Pflanzen helfen?

Es gibt viele Pflanzen, die in diese Richtung wirken, ich möchte mich hier aber auf einige, wichtige beschränken:

Baldrianwurzel

Nimmt man Baldrian am Abend ein, fördert sie die Schlafbereitschaft, verkürzt die Einschlafzeit, verbessert die Schlafqualität und vermindert nächtliches Aufwachen.
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Nimmt man die Pflanze am Abend ein, fördert sie die Schlafbereitschaft, verkürzt die Einschlafzeit, verbessert die Schlafqualität und vermindert nächtliches Aufwachen. Tagsüber wirkt sie beruhigend und entkrampfend, psychisch ausgleichend und antriebssteigernd. Baldrian kommt als Tee, Tinktur, Extrakt oder als Fertigpräparat zum Einsatz.

Dillsamen

Dillsamen gelten traditionell als Kinderschlafmittel. Das ätherische Öl in den Samen wirkt beruhigend.
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Dillsamen gelten traditionell als Kinderschlafmittel. Das ätherische Öl in den Samen wirkt beruhigend. Die Samen werden gemörsert und in Milch verabreicht, oder in einem Schlafkissen neben das Kopfkissen gelegt. Als Tee nimmt man ½ Teelöffel frisch gequetschte Samen, übergießt das mit 1 Tasse heißem Wasser, und lasst das Ganze 7 min. ziehen, bevor es abgegossen wird.

Hopfen

Der Hopfen wirkt als mildes Sedativum, schlaffördernd, beruhigend und entkrampfend.
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Den Hopfen habe ich schon einmal ausführlich beschrieben. Er wirkt als mildes Sedativum, schlaffördernd, beruhigend und entkrampfend. Er wird vor allem bei Einschlafstörungen, Befindlichkeitsstörungen wie Unruhe, Angst, nervöse Reizbarkeit mit Erschöpfung, Nervosität, aber auch bei Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt, die ebenfalls zu Schlafstörungen führen können. Hopfen kann als Tee, Tinktur, als Fertigpräparat, aber auch als Badezusatz oder Schlafkissen verwendet werden. Hopfenzapfen werden gern mit Baldrian, Melisse und Passionsblume kombiniert.

Lavendel

Die ätherischen Öle des Lavendels sind bekannt für ihre beruhigende Wirkung. Lavendel kommt bei Einschlafstörungen und Unruhezuständen, Reizbarkeit, Nervosität, nervöses Herzklopfen und als Stimmungsaufheller zum Einsatz.
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Die ätherischen Öle des Lavendels sind bekannt für ihre beruhigende Wirkung. Lavendel kommt bei Einschlafstörungen und Unruhezuständen, Reizbarkeit, Nervosität, nervöses Herzklopfen und als Stimmungsaufheller zum Einsatz. Angewendet wird die Heilpflanze als Tee, Tinktur, Wein, als Fertigpräparat oder auch wieder als Schlafkissen bzw. als Strauß aufgehangen in Bettnähe. 

Melisse

In der Melisse finden wir die beruhigenden, stresslösenden und krampflösenden Eigenschaften.
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Auch in der Melisse finden wir die beruhigenden, stresslösenden und krampflösenden Eigenschaften. Sie dient bei Einschlafstörungen, vor allem wenn das Einschlafen mit Ängsten und Herzklopfen verbunden sind, bei nervösen Herzbeschwerden und Erschöpfungszuständen. Besonders bewährt hat sich die Melisse auch bei Einschlafstörungen bei kleinen Kindern, die durch Bauchschmerzen hervorgerufen werden, weil Melisse gleichzeitig auch krampflösend und blähwidrig wirkt. Außerdem wirkt sie gut zur Entspannung bei Kopfschmerzen. Auch hier ist die Anwendung als Tee, Tinktur, Fertigpräparat oder als Schlafkissen, Badezusatz oder das Öl in der Aromatherapie möglich. Bekannt ist sicher auch der Melissengeist.

Passionsblume

Passionsblume wirkt mild beruhigend, schlaffördernd, krampflösend und mild angstlösend.
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Passionsblume wirkt mild beruhigend, schlaffördernd, krampflösend und mild angstlösend. Die Pflanze wirkt mild, deshalb wird sie gern bei Kindern eingesetzt, bei Erwachsenen dann oft in Verbindung mit anderen beruhigenden Heilpflanzen. Die Einnahme erfolgt als Tee (sehr teuer!) oder als Fertigpräparat.

«Süßer Schlaf, du kommst wie reines Glück, ungebeten, unerfleht, am willigsten. Du lösest die Knoten der strengen Gedanken, vermischest alle Bilder der Freude und des Schmerzes; ungehindert fließt der Kreis innerer Harmonien, und eingelullt in gefälligen Wahnsinn, versinken wir und hören auf zu sein.» Goethe

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen aufregende Tage und stille, geruhsame Nächte mit erholsamem Schlaf.

Ihre Katrin Seemann

Schlafstörungen und nervöse Unruhe – Stress natürlich bekämpfen
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