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Die Rauhnächte, auch Raunächte oder Rauchnächte genannt, beginnen in den meisten Gegenden nach der Heiligen Nacht, also in der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember. Sie dauern zwölf Nächte bis zum Fest der Erscheinung des Herrn (Heiligdreikönig), dem 06. Januar.

Genau weiß man nicht, woher der Name kommt. Einer Ansicht nach geht es auf das mittelhochdeutsche Wort rûch (haarig) zurück, welches heute noch in dieser Bedeutung in der Kürschnerei als «Rauhware» oder «Rauchware» für Pelze in Verwendung ist. Es würde sich dabei auf mit Fellen bekleidete Dämonen beziehen, welche in diesen Nächten ihr Unwesen treiben.

Eine andere Variante ist, dass sich das Wort Rauhnacht aus dem traditionellen Beräuchern der Ställe und Behausungen herleitet. Dabei handelte es sich meist um Schutzräucherungen, aber auch Räucherungen zum Orakeln und Deuten.

Mond- und Sonnenjahr

Der Ursprung des Brauches liegt vermutlich in der Zeitrechnung nach einem Mondjahr. Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten umfasst nur 354 Tage, ein Sonnenjahr jedoch 365 Tage. So wurden dann die fehlenden elf Tage, bzw. 12 Nächte als «tote Tage» eingeschoben. Diese Tage «außerhalb der Zeit», von denen man annahm, dass während dessen die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt sind und damit auch die Grenzen zu anderen Welten fielen.

Rauhnächte - Mond- und Sonnenjahr

Es ist die Zeit zwischen der Zeit, wo die Winterstürme über das Land fegen und die hungrigen Raubtiere den Gehöften besonders nahe kamen. Die Menschen verließen ihr schützendes Haus nach Einbrechen der Dunkelheit nicht mehr. Denn draußen ritt die Percht mit ihrem «wilden Gefolge» übers Land.

Die Percht mit ihrem «wilden Gefolge»

Die Percht war die mächtigste Unterweltgöttin im Alpengebiet, die über Leben und Tod herrschte. Sie holte die toten Seelen, die bis zu den Rauhnächten dahinirrten und sich an Wegkreuzungen und verwunschenen Plätzen sammelten. Sie war eine Art Tödin, die die Seelen ins Jenseits führte und hatte ein gutes und ein schreckliches Gesicht, je nachdem, wie die Seelen zu Lebzeiten gewirkt hatten.

Im Norden Europas war es nicht die Percht, sondern Wotan mit Wölfen und den zwei Raben (für Zukunft und Vergangenheit) im Gefolge, der in den Rauhnächten umherschweifte. Aber egal, wer es war, die Menschen hatten große Angst, diesen Göttern, Geistern und ihren Gefolgen zu begegnen, denn wenn man sie traf, konnten sie einen Menschen einfach mitnehmen.

Rauhnächte: Zeit zum Orakeln

Diese zwölf Nächte sind der Höhepunkt des Orakeljahres. Während dieser Zeit kann tagsüber schützend und reinigend geräuchert und abends mit den Orakelpflanzen durch den Rauch in die Zukunft gesehen werden. Dabei steht jede Nacht für einen der zwölf kommenden Monate. Eine andere Tradition ist es, in den ersten sechs Nächten das Vergangene abzuschließen und in den folgenden sechs Nächten das kommende zu visionieren.

Rauhnächte - Zeit zum Orakeln

In unserer heutigen hektischen Zeit gehen solche Bräuche oft verloren und gern belächeln wir unsere Vorfahren, die sich vor Göttern ängstigten und sich mit Ritualen zu schützen versuchten. Allzu schnell vergessen wir aber dabei, dass sich die Menschen die Zeit genommen haben, zusammen saßen und das vergangene Jahr Revue passieren ließen. Es wurde über Vergangenes gesprochen und Pläne und Wünsche für das kommende Jahr formuliert. Dabei wurden Ängste und Wünsche der anderen wahrgenommen. Tun wir das heute ausreichend?

Räucherpflanzen

Reinigend und schützend:

Bartflechte, Beifuß, Engelwurz, Eschensamen, Fichenharz, Holunder, Lavendel, Meisterwurz, Mistel, Salbei

Orakeln:

Alraunenwurzel, Beifuß, Bilsenkraut, Lorbeer, Mistel, Schafgarbe

Segnend:

Mariengras, Myrrhe, Rose, Weihrauch

Egal, wie Sie die Tage nach der Heiligen Nacht bis hin zu den Heiligen Drei Königen verbringen, nehmen auch Sie sich etwas Zeit, um Vergangenes zu betrachten und Ihre Wünsche und Ziele für das neue Jahr zu beschreiben. Wenn Sie mögen, probieren Sie doch auch einmal das Räuchern aus. Pflanzen können in vielen Formen hilfreich sein. Doch nicht nur als Tee oder Tinktur, sondern auch die durch das Räuchern gelösten Wirkstoffe und der Pflanzengeist (durch die Glut von der Materie getrennt) können wertvolle Begleiter und Helfer sein.

Ich wünsche Ihnen eine ruhige, besinnliche Zeit, Zeit für sich selbst und Ihre Liebsten! Also eine gute Zeit zwischen den Zeiten!

Ihre Katrin Seemann

Rauhnächte – die Zeit zwischen den Zeiten
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