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Sport, der gesund hält, macht uns also auf Dauer glücklich. Schaffen das Lebensmittel auch? Einige schon – wenn auch meistens nur kurzfristig. Eine kleine Auswahl von «Glücklichmacher»möchte ich Ihnen hier und jetzt persönlich vorstellen.

Glücklichmacher sind zum Beispiel die Nudeln, die mit Ketchup nicht nur die Kinder glücklich ­machen, sondern auch den Marathonläufer am Vorabend eines jeden Wettkampfs, denn sie füllen nicht nur die Kohlenhydratspeicher bis zum Rand auf, sondern ­fördern auch die Produktion des Neurotransmitters Serotonin. Jetzt wissen Sie auch, warum die Nudelnation Nummer 1, die Italiener, seit jeher für Dolce Vita und ungebremste Lebensfreude ­stehen.

Glücklichmacher Schokolade

Der bekannteste Glücklichmacher ist die Schokolade – auch wenn eigentlich kein Glücksstoff enthalten ist. Doch allein schon beim Lesen des Wortes denken wir daran, wie wir uns ein Stück unserer Lieblingssorte in den Mund schieben, wie der Speichel das Stück sanft umspült und die unzähligen Aromen des Stresskillers freisetzt, die sich unseren Geschmacksknospen dann lustvoll hingeben. Mmmh. Was so lecker klingt, ist ein Aspekt der Biochemie, den die Wissenschaft zur Zeit intensiv untersucht.

Eine alte Dame bietet Schokokugeln als Glücklichmacher an
Wer kennt es nicht? Bei Oma gab es immer diese süssen Glücklichmacher. Bild von yc0407206360 auf Pixabay

Denn dass einige Lebensmittel glücklich machen, andere wiederum depressiv, ist bereits hinreichend bekannt. Unbekannt ist noch die Kommunikation, die zwischen den Nervenzellen des Gehirns auf der einen Seite und denen des Verdauungstrakts auf der anderen Seite stattfindet. In zahlreichen Studien längst erwiesen ist zum Beispiel die ­positive Kraft der Omega-3-Fettsäuren (frühere Bezeichnung: Vitamin F), die so wichtig sind für Schwangere und Ungeborene.

Unsere Stimmungszentren im Gehirn

Im Gegensatz zu den Wirkstoffen der gesättigten Fettsäuren sind die Wirkstoffe dieser ungesättigten Variante nämlich kein bevorzugter Kandidat für unsere Fettpolster, sondern für unsere Stimmungszentren im Gehirn. Lachs, Makrele, Kabeljau, Hering und andere Seefische bieten jede Menge dieser Glücksstoffe, aber auch Vitamin B12 und Folsäure. Kein Wunder also, dass Japaner, die sehr viel Seefisch essen, deutlich seltener an Depressionen leiden als die korpulenten Fast-Food-Junkies der westlichen Welt. Der Zusammenhang zwischen Kopf und Bauch wird an einer Studie übrigens besonders deutlich: Die Darmflora autistischer Kinder ist demnach oftmals eine völlig andere als bei «gesunden» Kindern.

Selbstverständlich überwachen die Lebensmittel- und -zusatzhersteller die Forschungen der Biochemiker und Neurogastrologen mit Argusaugen. Zum Teil finanzieren sie diese auch tatkräftig. Schließlich werden identifizierte Glücksstoffe sie irgendwann unendlich reich machen – und uns zu einer Nation von adipösen Couch-Potatoes, sollten diese Stoffe in Süßigkeiten, Chips oder frittierten Fettbrocken eine neue Heimat finden. Denn irgendwie habe ich den Verdacht, dass diese Stoffe nicht primär im Dünger der Gemüse- und Obstplantagen landen werden.

Weitere Simmungsmacher fürs Glücklich sein

Wer nach einem langen Winter die ersten Strahlen der warmen Frühlingssonne auf der Haut spürt oder Weihnachten im sonnigen Süden verbringt, der weiß, wie sehr das in der Haut produzierte Vitamin D die Stimmung erhellt. Deshalb sind logischerweise auch Lebensmittel, die einen hohen Vitamin-D-Gehalt aufweisen, echte Stimmungsmacher. Dazu zählen insbesondere Lachs und Aal, aber auch Milchprodukte wie Sahne, Käse und Joghurt. Und Hühnereier, die ja auch in den Nudeln (siehe oben) Verwendung finden.

Ein Nudelgericht das glücklich macht
Echte Stimmungsmacher sind Lebensmittel, die einen hohen Vitamin-D-Gehalt aufweisen. Bild von congerdesign auf Pixabay

Im 17. Jahrhundert war eine Mischung aus Rosinen und Mandeln populär. Die «Schleckerey deutscher Gymnasiasten und Burschen» war wegen der teuren Mandeln nur für die gehobenen Schichten erschwinglich, weshalb sie schon damals «Studentenfutter» hieß. Heute gehören auch verschiedene Nüsse und Trockenobst in diese Rundum-sorglos-Mischung. Dass diese Leckerei gut fürs Gehirn ist und sowohl die Stimmung pusht als auch die Konzentrationsfähigkeit steigert, liegt am Tryptophan und am Lethizitin in den Erdnüssen.

Sie sehen: Der beste Ort, Ihr Wohlbefinden zu beginnen, befindet sich am Ende Ihrer Gabel. Putzen Sie Ihr Silber und stürzen Sie sich auf die Empfehlungen der seriösen Wissenschaftler, die vor zuckerangereicherten Fertigwaren warnen und natürliche Kost favorisieren. Wohlbefinden in Bezug auf Nahrungsmittel ist – zusammengefasst – ein dreischneidiges Schwert: Es gibt Stoffe, die Sie glücklich machen, Stoffe, die Ihre Leistungsfähigkeit steigern und Stoffe, die Ihr Gehirn auf Trab halten. Kein Wunder, dass derjenige, der alle drei Felder bestellt, am Ende glücklicher ist als alle anderen.

Und das von uns allen so heißgeliebte Fleisch? Dürfen wir das essen? 

Natürlich dürfen Sie das – wenn es denn auch tatsächlich «natürlich» ist: Achten Sie zum Beispiel bei Rindfleisch darauf, dass die Tiere, von denen es stammt, ihr ganzes Leben in erster Linie Gras gefressen haben – denn das ist schließlich ihr natürlicher Lebensraum. Tiere, die in Ställen einen Mix aus Mais, Kraft- und Mastfutter erhalten, liefern Fleisch, das diesen Namen kaum verdient hat, ist es doch deutlich ärmer an Omega-3-Fettsäuren, die neue Nerven- und Zellverbindungen im Gehirn generieren.

Eine jung Frau erhält glückselig ein Fleischgericht
Natürlich dürfen wir Fleisch essen – wenn es denn auch tatsächlich «natürlich» ist. Bild von Sasin Tipchai auf Pixabay

Das gleiche gilt auch für die Butter, die aus der Milch dieser Tiere produziert wird. Doch während die Herkunft des Fleisches an der Fleischtheke im Supermarkt oder beim Schlachter erfragt werden kann, bleibt die Herkunft der Butter weiterhin ein Buch mit sieben Siegeln. Warum eigentlich?

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