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Nr. 1 der Charts: Chronischer Stress, Stresserkrankungen – traurig. Aber es gibt Lösungen, die schnell helfen. Welche das sind, zeigt der Vorstand der Deutsche Gesellschaft für Stressdiagnostik und Prävention, Daniel Pusch, auf.

Unternehmen schauen noch tatenlos zu

Tatsächlich ist es immer noch so: Die Mehrheit der deutschen Unternehmen schaut noch tatenlos zu, wie chronischer Stress einst aus dem Mittelfeld kommend der heutige Nr. 1 Treiber für Fehlzeiten ist. Die Zahlen für Depressionen wachsen wie ein zu groß geratener Wolkenkratzer in den Himmel, doch fast noch schwerwiegender ist der große Schatten, der hier geworfen wird: denn chronischer Stress ist sehr häufig verantwortlich für andere, körperliche Beschwerden wie Muskel-/Skelett- oder Herz- und Kreislauferkrankungen. Darin ist sich die Wissenschaft heute einig.

Durch Dauerstress verändert sich der Stoffwechsel unvorteilhaft, Immunologie wird geschwächt und häufig entstehen Entzündungsherde im Körper. Bildlich gesprochen gehen hier Fenster und Türen förmlich sperrangelweit auf für den Einfall von Erkrankungen. Wir sehen also in anderen Erkrankungen der Fehlzeiten-Statistiken immer auch den Schattenwurf von chronischem Stress.

Chronischer Stress ist kein Abbild der Überarbeitung

Dabei ist chronischer Stress meistens kein Abbild der Überarbeitung, sondern viel mehr ein Phänomen eines neuen Lebenswandels des Homo Sapiens. Seit ca. 20 Jahren leben wir ganz anders als die ca. 10.000 Jahre zuvor. Welch eine rasante Umkehr des Gewohnten. Der heutige Homo Sapiens beziehungsweise Homo Oeconomicus nämlich soll sich heute behaupten und sich ständig optimieren in einem gesellschaftlichen Umfeld, indem Optimierung zum Dauertrend geworden. Prozess, Rendite oder Produktoptimierung, alles muss effizienter werden.

Chronischer Stress in einem Bahnhof mit vielen Menschen
Stress lass nach: Wir kommen nicht zur Ruhe – Stress wird chronisch. Photo by Anna Dziubinska on Unsplash

Das aber ist für unsere 10.000 Jahre alte Seele anstrengend. Besonders, wenn das Leben unübersichtlicher geworden ist. In früheren Zeiten war das Leben zwar nicht angenehmer, romantischer oder einfacher, aber es war überschaubar. Und was der Mensch erkennt und überschaut, das beruhigt ihn tendenziell. Und was heute jeder Einzelne glaubt tun und sein zu müssen, ist ein neuzeitliches Phänomen. Das strengt nicht nur unheimlich an, es verunsichert auch und Ängste mischen mit.

Chronischer Stress ist kein Thema zum Abwarten

Was also tun? Zuschauen und warten oder Prävention aktiv gestalten? Die Antwort ist klar. Und auch die Verantwortung ist klar aufgeteilt: Jeder Mitarbeiter sollte sich individuell in der Pflicht sehen, genauso wie das Unternehmen selbst die Pflicht zur Fürsorge. Chronischer Stress ist kein Thema zum Abwarten. Für Unternehmen stellt sich dann aber die nächste Frage: wie erreiche ich möglichst viele Mitarbeiter mit meinen vorgeschlagenen Hilfestellungen? Und genau hier sehen wir (wir, die uns Experten nennen), dass Unternehmen sich nicht nur sehr schwertun in der Umsetzung, sondern meist kläglich versagen.

Hierfür gibt es drei Gründe:

  1. Der wirkliche Wille zu helfen fehlt. Das zeigt sich häufig schon in Budget und einem klaren Mandat. Viel zu häufig steht der oder die Personalverantwortliche auf verlorenem Posten.
  2. Mit einmaligen Trainingsmaßnahmen lässt sich substantiell nichts bewegen. Stress sitzt tiefer und ist individuell immer unterschiedlich gelagert. Vorträge oder Trainings mögen zur Sensibilisierung, jedoch positiven Veränderung tun sich nichts.
  3. Prozesse, Projekte und Quartalsergebnisse haben Priorität vor substantiellen Gesundheitsmaßnahmen. Immer fehlt die Zeit und andere Ressourcen. Mittelfristig ist das dumm gedacht.

Möchte Personal Unternehmen ernsthaft dem Thema des chronischen Stress begegnen und den Krankenstand signifikant senken – sowie auf seinen Fluren mehr entspannt lächelnde und entspannte Gesichter sehen, dann helfen

drei Ansätze, um chronischer Stress zu begegnen:

  1. Ein festes Budget muss her. Alle Indianer dürfen mitreden, aber nur ein Häuptling entscheidet
  2. In die Tiefe und Breite für alle Mitarbeiter gleich zugänglich, helfen webbasierte Stressmanagement-Programme. Damit die Auswahl in dieser Flut von Angeboten einfacher wird, sollte im Fokus stehen, dass eine Lösung zugeschnitten ist auf den individuellen Bedarf seines Nutzers.
    Die überwältigende Mehrheit der Programme ist allgemein gehalten. Wir Menschen jedoch sind in unseren inneren Stressoren und äußeren Reiz Reaktionsmechanismen auf Stress ganz unterschiedlich sozialisiert. Ein Programm also, das zunächst erkennt, bevor es in Umsetzung mit Übungen geht, ist immer zu priorisieren (Beispiel: www.dgsdp.de).
  3. In der Spitze, also für stärker betroffene Mitarbeiter oder solche, die sich sehr intensiv mit ihren Stressoren befassen wollen, sollte ein psychotherapeutischer Service zugelassener Psychologen entweder telefonisch oder in der Präsenz zur Verfügung stehen.

Taktik vor Strategie

Nach all meinen Erfahrungen sehe ich diese drei Aspekte, die allesamt taktischer Natur sind und sperrige, strategische Ansätze in Geschwindigkeit und Zielerreichung abhängen, als die Maßnahmen mit dem größten Wirkungsgrad. Dies sind die größten Treiber, um Fehlzeiten stressbedingt signifikant zu reduzieren. Unterschiedliche Studien und Auswertungen sowohl im mittelständischen als auch im Industriellen Segment untermalen den großen Effekt.

Nicht immer muss jeder Aspekt des betrieblichen Gesundheitsmanagement sich als Puzzle-Stück nahtlos in das Gesamtbild des Gesundheitsmanagement einfügen. Denn viel zu häufig wird dieses große Puzzle eh nie fertig oder ist in den Vorstellungen gar kein klares Bild. Es gilt also: lieber Grip auf den Asphalt zu bringen und an den signifikanten Baustellen loszulegen, um dort erste wichtige Ergebnisse zu erzielen. Das ich wichtig!

Denn Gewinner-Unternehmen unterscheiden sich nicht in Ihrer Rendite, sondern in der langfristigen Leistungsfähigkeit und Gesundheit Ihre Mitarbeiter.

Dafür es gibt Lösungen, die schnell helfen. Wie Sie diese schnell in Ihrem Unternehmen implementieren und umsetzen, zeige ich Ihnen am 07. Mai um 14:00 Uhr in einem kostenlosen Online Event bei PNI Aktuell.

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