Tibetische Medizin: Die geheimnisvolle Hausapotheke des Dalai Lama

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Das Geistliche Oberhaupt der Tibeter feierte am 06. Juli seinen 80. Geburtstag. Trotz seiner unzähligen Auslandsreisen und seinem vollen Terminkalender ist er bei guter Gesundheit. Seit seiner Kindheit lässt er sich mit tibetischer Medizin behandeln – auch vorbeugend, um gesund zu bleiben. Was ist das Geheimnis hinter der Medizin vom Dach der Welt?

Das charakteristische der Tibetischen Medizin ist, dass sie ein ganzheitliches System ist, das Körper und Geist verbunden sieht und Krankheiten auf diesem Hintergrund betrachtet. Die Quelle der Tibetischen Medizin ist eine Verbindung verschiedener Systeme; der ayurvedischen Tradition Indiens, der therapeutischen Methoden Chinas und des Unani-Systems aus Persien. Die Tibetische Medizin ist keine Alternative zu andern Medizinsystemen, sondern eine ergänzende Methode, die andere Behandlungen unterstützt. Die Heilkunst der Tibeter ist eine hochentwickelte Wissenschaft. Über Jahrtausende hinweg wurde die Heilkraft von Pflanzenwirkstoffen bei bestimmten Krankheiten beobachtet und genau beschrieben.

Die geheimnisvolle Kraft der Pflanzen

In den traditionellen Kräuterrezepturen sind bis zu 50 verschiedene Pflanzen, Mineralien und natürliche Stoffe enthalten. Das Hauptziel der Kräuterzubereitungen ist der synergistische Effekt, also die gegenseitige Verstärkung der Wirkstoffe. Auf diese Weise werden die Nebenwirkungen der Einzelsubstanzen abgefangen. Und dieses Prinzip ist einzigartig in der Medizin.

Tibetische Medizin basiert auf Heilpflanzen
Die Tibetische Medizin strebt das innere Gleichgewicht der Kräfte im Körper an. @reisefieber.de

Tibetische Medizin vom Dach der Welt

Das Medical Institute in Dharamsala, Indien ist weltweit die erste Ausbildungsstätte für tibetische Medizin. Inzwischen holen sich westliche Ärzte und Wissenschaftler dort Impulse. Seit Jahren werden auch tibetische Ärzte zu Vortragsreisen in die Schweiz und andere westliche Länder eingeladen.

Diagnose ohne Geräte und ohne Labor

Für die Diagnose brauchen die Traditionsärzte kein medizinisches Gerät und keine Labortests. Sie beziehen sich bei ihrer Diagnosefindung im Wesentlichen auf die Puls- und Urindiagnose. Ausserdem untersuchen sie Augen, Ohren, Zunge und beurteilen die Gesamtkonstitution ihrer Patienten (blass, schwach, rotgesichtig, übergewichtig usw.). Durch ausführliche Befragung erfahren sie Aspekte des Lebens der Patienten wie z.B. Schlaf, Sexualität, Familie, Arbeit. Für die Pulsdiagnose legt der Arzt seine Zeige-, Mittel- und Ringfinder aufs Handgelenk und fühlt den Puls. Jeder Finger spürt zwei Organe oder energetische Systeme, und das am linken und rechten Handgelenk; insgesamt werden 32 Pulse unterschieden. Beim Urin werden Farbe, Geruch, Blasen- und Sedimentbildung beurteilt.

Tibetische Medizin basiert auf auch dem Gleichgewicht
Gesundheit ist Gleichgewicht, Krankheit Ungleichgewicht @Fotolia

Das Geheimnis liegt in der Balance

Gesundheit ist Gleichgewicht, Krankheit Ungleichgewicht. Nach Tibetischer Ansicht machen Gefühle wie Neid, Gier und Abscheu krank. Das Verlangen etwa beeinflusst das lebenserhaltende Prinzip, den „Wind“ (Lung), negativ. Lung steht für geistige Klarheit und Sinnesschärfe, Leistungsfähigkeit und Gedächtnis, für Durchblutung und die Menstruation, aber auch für das Verdauungsfeuer, das, wenn es richtig brennt, die aufbauenden Essenzen für den Körper liefert. Die Tibetische Medizin schreibt fast zwei Drittel aller Krankheiten Störungen von Lung zu. Die beiden anderen energetischen Prinzipien sind „Schleim“ (Beken) und „Galle“ (Tripa). Allen drei Energien sind sechs Geschmacksrichtungen und fünf Elemente (Äther, Wasser, Feuer, Wind, Erde) zugeordnet.

Therapie zur Heilung oder Prävention

Eine Therapie im Tibetischen Sinn bedeutet, die drei Energien (Wind, Schleim und Galle) wieder in Balance zu bringen. Dabei helfen Yoga, Massagen, Akupunktur, Kräuterrezepturen und Ernährungsumstellung. Nach der Diagnose des Arztes erteilt dieser Ernährungs- oder Verhaltensratschläge und verordnet bei Bedarf Arzneimittel oder Ernährungsergänzung aus pflanzlichen und mineralischen Rohstoffen.

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