Beinwell – der alte Knochenheiler

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Beinwell, der alte Knochenheiler
Photo by Katrin Seemann

Schon in der Antike war Beinwell dafür bekannt, Wunden und gebrochene Knochen heilen zu können. Und auch noch heute wird er vielfach bei Verletzungen des Bewegungsapparates dort eingesetzt, wo andere Medikamente versagen.

Der Beinwell ist auch als Wallwurz bekannt

Der Beinwell (Symphytum officinale) gehört zu den Borretschgewächsen. Er mag feuchte Stellen und wächst auf nassen Wiesen und Grabenrändern in fast ganz Europa und Teilen Asiens. Die Pflanze wird 50 bis 100cm hoch, hat einen rauhaarigen Stengel mit lanzettlichen Blättern mit grober Netznervatur und rotviolette, seltener weiße, glockenähnliche Blüten.

Das Wort „Symphytum“ kommt aus dem Griechischen von „symphytos = zusammengewachsen, zugeheilt“. Die deutschen Bezeichnungen „Beinwell“ und landläufig „Wallwurz“ beziehe sich auf das Verb „wallen“, was so viel wie zusammenwachsen bedeutet. „Bein“ ist eine alte Bezeichnung für „Knochen“.

Droge

Genutzt werden hier vor allem die Wurzel, aber auch das gesamte Kraut und die Blätter. Die Kommission E hat hier nur eine Positivmonographie für die äußere Anwendung der Droge erstellt.

Beinwell- oder Wallwurz-Wurzel
Photo by Fotolia

Die Erne erfolgt im März und April und zusätzlich für die Wurzel wieder im Herbst.

Inhaltsstoffe und Wirkungen

Wir finden im Beinwell reichlich Schleimstoffe (Fructane), bis zu 1,5% Allantoin, 4-6% Gerbstoffe, Rosmarinsäure und Cholin. Je nach Herkunft und Anbausorte geringe Mengen bis Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden (P.A.), weshalb immer nur die äußerliche Anwendung empfohlen wird. Seit über 10 Jahren gibt es allerdings auch schon P.A.-freie Zuchtsorten.

Beinwell Blüten und Blätter
Photo by Katrin Seemann

Die Wirkungen allgemein sind schmerzlindernd, entzündungshemmend, abschwellend und lokal reizmildernd. Allantoin wirkt fördernd auf die Granulation und Geweberegeneration sowie auf die Kallusbildung. Außerdem steigert es die lokale Durchblutung und sorgt für eine Verflüssigung des Wundsekretes. Es kommt zu einem Abströmen von Flüssigkeit aus der Wundfläche und so zu einem Ausspülen von Bakterien und Zersetzungsprodukten. Die Zellneubildung wird gefördert. Dieser wundheilungsfördernde Effekt wird durch die Schleimstoffe unterstützt, welche zusätzlich lokal reizmildernd wirken.

Indikationen

Beinwell kommt immer dann zum Einsatz, wenn es um schlecht heilende, unblutige stumpfe Verletzungen geht. Dazu gehören Quetschungen, Distorsionen, Hämatome und Kontusionen. Hier kommt es zur Verbesserung von Ruhe- und Bewegungsschmerz und zu einer Abnahme der Schwellung. Weitere Indikationen sind schlecht heilende Wunden und Frakturen, Muskelkater, Sehnen-, Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündungen, Knochenhaut-, Venen- und Nagelbettenzündungen sowie Lymphknotenschwellungen. Treten im Anschluss einer Amputation Phantomschmerzen auf, ist ein Therapieversuch auf jeden Fall sinnvoll.

In der Volksheilkunde wird Beinwell außerdem bei Rheuma, Pleuritis und Bronchitis eingesetzt.

Beinwell in der Wiese
Photo by Katrin Seemann

Nebenwirkungen sind keine bekannt, man muss nur darauf achten, dass täglich nicht mehr als 100 Mikrogramm Pyrrolizidinalkaloide aufgenommen werden. Bei oraler Aufnahme ist aufgrund der hepatotoxisch, mutagen und kanzerogen wirkenden pyrrolizidinalkaloidhaltigen Droge Vorsicht geboten. Eine innere Anwendung über längeren Zeitraum wird nicht geraten.

Die Darreichungsformen gehen vom Tee (1 EL mit ¼ L Wasser übergießen, 30min. ziehen lassen und für Umschlag oder Bad verwenden), über Tinkturen, Salben und Frischpflanzenanwendungen (für halbfeste Anwendungen und Kataplasmen).

Geschichte und Mythologie

Eine Verwendung des Beinwells bei Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates ist bis in die Antike hinein belegt. Der Ältere Plinius erwähnt ihn in der „Naturalis historia“ für die Behandlung von Quetschungen und Verrenkungen. Das ganze Mittelalter hindurch galt diese Pflanze als bedeutendes Wundkraut. Die heilende Wirkung sollte sich auch auf Knochenbrüche erstrecken und wurde als so hoch eingeschätzt, dass selbst Knochen im Kochtopf wieder zusammen wachsen würden, wenn man Beinwell zugeben würde.

Beinwell Blüten
Photo by Katrin Seemann

In vielen Gegenden war und ist der Beinwell fester Bestandteil der Bauerngärten. Nicht nur als Heilpflanze und Bienenweide, sondern auch als Bestandteil von Speisen. Eingebacken in Teig wurde sie in der Schweiz als „Chüechli“ gegessen. In Ostpreußen bekamen Lungenkranke und Schwindsüchtige Pfannkuchen, welche aus frisch gegrabenem Beinwell, Mehl und Honig gebacken waren.

Ich hoffe, Sie werden nie hinfallen und sich verletzten. Doch sollte es einmal passieren, behalten Sie den Beinwell im Auge!

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