Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Die gesellschaftliche Bedeutung des Busfahrers ist hoch, dennoch leidet der Beruf unter einem schlechten Image. Gründe dafür sind in erster Linie eine hohe Erwartungshaltung der Fahrgäste und die Mentalität, den Busfahrer für Dinge verantwortlich zu machen, für die er nichts kann.

Auch die so genannte Stellvertreterhaftung ist ein Thema. Fragt man Busfahrer selbst, bekommt man zur Antwort, dass sie ihren Beruf lieben, aber mit den täglichen Arbeitsbedingungen unzufrieden sind. Diese Kernaussagen hat ein Forscherteam der Hochschule Fresenius ermittelt.

Viele haben keine Erinnerung an den Busfahrer

Spontan nach dem Aussteigen aus dem Bus angesprochen, haben viele keine Erinnerung an den Busfahrer. Die ersten Attribute, die Befragte mit dem Beruf assoziieren, sind unter anderem «unattraktiv» und «langweilig». «Diese Einschätzungen überträgt die Gesellschaft auch auf den hinter dem Beruf stehenden Menschen», berichtet Dr. Sabine Hammer vom Institut für komplexe Gesundheitsforschung an der Hochschule Fresenius. Das Institut hat gemeinsam mit DB Regio Bus im Rahmen der Studie «Meine Arbeit, meine Leistung» die Rolle des Busfahrers in der Gesellschaft näher untersucht.

Viele haben keine Erinnerung an den Busfahrer
Öffentliche Busse in der Berner Altstadt in der Schweiz. Photo by Pixabay

Es besteht eine Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Bedeutung des Busfahrers und seinem Ansehen. 574 Befragte bewerteten die gesellschaftliche Bedeutung auf einer Skala von 1 (sehr niedrig) bis 10 (sehr hoch) durchschnittlich mit einem Wert von 7,7. Gar mit einer 9,0 wird die Verantwortung des Busfahrers beurteilt. Demgegenüber steht die mit 4,2 niedrige Einschätzung des Ansehens des Busfahrers.

Woher kommt das? Sabine Hammer: «Mehr als drei Viertel der Befragten haben eine Erwartungshaltung an Dienstleistung und Service, die über die bloße Beförderung hinausgeht. Je mehr sich jemand wünscht, desto eher ist natürlich auch der Punkt der Unzufriedenheit erreicht.» Außerdem würden Aspekte in den Verantwortungsbereich der Fahrer verlagert, die dort nicht hingehören.

Der Busfahrer wird zum Blitzableiter

Mit dem Ergebnis, dass auch die Arbeitsleistung negativ bewertet wird. Ein Beispiel: Die Befragten wünschen eine optimale «Transportleistung», also das Anfahren aller Haltestellen und Pünktlichkeit, und geben als Zahl für ihre Erwartung eine 10 an. Die Beurteilung ihrer tatsächlichen persönlichen Erfahrungen liegt mit 7,2 deutlich darunter.

Busfahrer hinter dem Steuer auf der Fahrt
Der Leistungsdruck der Busfahrer ist hoch, alle müssen schnell von A nach B. Photo by Pixabay

«Dabei kann der Busfahrer nur in den seltensten Fällen etwas für eine Verspätung», sagt Hammer. Oft richte sich die Wut gar nicht gegen den betreffenden Fahrer. Möglicherweise lassen manche Menschen ihren angestauten Frust von der Arbeit oder Partnerschaft ab.

Es wäre schön, als Mensch wahrgenommen zu werden

Diese Haltung zieht sich auch durch andere Bereiche, sogar für Ausstattung und Zustand des Fahrzeugs wird der Fahrer verantwortlich gemacht. «Er wird ziemlich unreflektiert stellvertretend in die Haftung genommen. Wer der eigentliche Verursacher ist – oft genug die Fahrgäste selbst – wird nicht in Erwägung gezogen», ergänzt Hammer.

Resultat sei häufig ein respektloser Umgang mit den Fahrern. Mit der mangelnden Wertschätzung haben die Busfahrer ein großes Problem, sie fühlen sich herabgestuft. «Es wäre schön, als Mensch wahrgenommen zu werden», lautet deshalb ein großer Wunsch der Berufsgruppe.

MerkenMerken

Da vorne sitzt ein Mensch – Was denken wir eigentlich über Busfahrer?
5 (100%) 2 votes

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein
Bitte Name eingeben

4 × 2 =