Beschäftigte in der Schweiz leiden mehr unter Stress und Erschöpfung

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Die Schweizer Arbeitnehmer sind immer schlechter dran. Zu diesem Schluss kommt das jährliche «Barometer Gute Arbeit» der Berner Fachhochschule und des Gewerkschaftsdachverbands Travailsuisse. Während Belastungen wie Stress und Erschöpfung, Termindruck oder fehlende Gesundheitsförderung hoch bleiben. Laut Mitteilung nimmt die Zufriedenheit mit Löhnen und Arbeitszeiten ab. Leicht rückläufig sei auch die Arbeitsplatzsicherheit insgesamt.

Arbeitnehmende in der Schweiz erleben ihre Arbeit mehrheitlich als Sinn stiftend und nützlich. Nur eine kleine Minderheit macht sich unmittelbar Sorgen um den Arbeitsplatz. Für die meisten sind aber immer mehr Stress und Erschöpfung – gerade im emotionalen Bereich – Realität.

Verbesserungspotenzial gibt es zudem bei Weiterbildungsmassnahmen und Löhnen. Das sind einige der Ergebnisse des «Barometers Gute Arbeit», das vom Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse und von der Berner Fachhochschule erarbeitet wurde. 1400 Arbeitnehmende wurden dazu im Mai in der ganzen Schweiz befragt.

Mehr Stress und Erschöpfung am Genfersee und im Tessin

Die Luft weg bleibt gemäss der Studie dabei vor allem Beschäftigten im Tessin und in der Genferseeregion. Während sich im Schweizer Durchschnitt gut 13 Prozent der Befragten in hohem oder sehr hohem Mass um ihren Arbeitsplatz sorgen, sind es im Tessin rund ein Fünftel. In der Genferseeregion sogar über ein Viertel.

Stress und Erschöpfung im Tessin und Genferseeregion
Grossen psychosozialen Belastungen führen zu immer mehr Stress und Erschöpfung. © STEEX/iStockphoto

Während in der übrigen Schweiz fast die Hälfte der Beschäftigten befürchtet, bei einem Stellenverlust nicht oder kaum wieder eine vergleichbare Stelle zu finden, sind es im Tessin über 70 Prozent. Diese Ängste dürften sich auch in der psychischen Belastung niederschlagen.

Während in der Deutschschweiz rund ein Drittel der Arbeitnehmenden angibt, sich am Ende des Arbeitstages oft oder sehr häufig emotional erschöpft zu fühlen, sind es in der Genferseeregion knapp 40 Prozent und im Tessin fast 50 Prozent. Dafür verantwortlich ist laut Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik von Travailsuisse, der exponierte Arbeitsmarkt in den beiden Regionen mit sehr vielen Grenzgängern.

Wunsch nach mehr Achtsamkeit und Wertschätzung

Als generelle Defizite des «liberalen» Schweizer Arbeitsmarktes ortet Travailsuisse aufgrund der Umfrage, dass fast die Hälfte der Arbeitnehmenden beklagt, dass Weiterbildung gar nicht oder zu wenig gefördert wird.

Mitarbeitergespräche können Stress und Erschöpfung vorbeugen
Die Hälfte der Vorgesetzten führen entweder kein hilfreiches oder gar kein Mitarbeitergespräch. ©shutterstock.com

Der in vielen Branchen beklagte Fachkräftemangel stehe im Widerspruch zu der von den Arbeitgebern geförderten beruflichen Weiterbildung. Bei mehr als der Hälfte der Befragten wurde ausserdem entweder gar kein jährliches Mitarbeitergespräch (17 Prozent) geführt oder dieses als nicht konstruktiv wahrgenommen (fast 40 Prozent).

Im Branchenvergleich schneiden Gross- und Detailhandel, Gastgewerbe sowie Verkehr und Lagerei schlecht ab. Der Sinn der Arbeit wird laut Mitteilung auch in der Finanz- und Versicherungsbranche kritisch beurteilt.

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