Pendeln: Fahrerei schlägt auf die Gesundheit

von am 9. April 2017
Pendeln stresst immer mehr Menschen Pendeln nervt immer mehr

Täglich pendeln knapp 350.000 Menschen zwischen Wohnort und Job in der Mainmetropole Frankfurt. Das nervt nicht nur gewaltig, sondern schlägt auch aufs Gemüt und hat mitunter negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Dennoch steigt die Zahl der Pendler weiter.

Die Zahl der Pendler in Deutschland ist auf einen Rekordwert gestiegen. Das geht aus einer neuen Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn hervor. 2016 pendelten bundesweit bereits 60 Prozent aller Arbeitnehmer zum Job in eine andere Gemeinde – im Jahr 2000 waren es noch 53 Prozent.

Die meisten Menschen pendeln in München. Dort arbeiteten 2016 rund 355.000 Berufstätige, die außerhalb der Stadtgrenze wohnten. Das ist ein Plus von 21 Prozent seit 2000. Auf Platz zwei folgt Frankfurt am Main mit 348.000 Pendlern – 14 Prozent mehr als 2000. In den Büros dort stellen auswärtige Arbeitnehmer die Mehrheit, ebenso wie in Düsseldorf und Stuttgart. Den größten Zuwachs aber verzeichnet Berlin. Hier ist die Zahl der Pendler seit der Jahrtausendwende um 53 Prozent auf 274.000 gestiegen.

Immer mehr Menschen Pendeln

Gestiegen ist nicht nur die Zahl der Pendler, auch der Weg zum Arbeitsplatz ist länger geworden. Von durchschnittlich 14,6 Kilometern im Jahr 2000 pendelten die Menschen im Jahr 2015 bereits 16,8 Kilometer.

Gesund ist Pendeln nicht

Pendler sind häufiger genervt als Menschen mit kürzeren Arbeitswegen: «Die verfügbaren Untersuchungen zeigen, dass tägliche Pendelmobilität die körperliche und psychische Gesundheit der Erwerbstätigen gefährden kann und einen negativen Einfluss auf das Gesundheitsempfinden hat», sagt Simon Pfaff vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.

Je länger die Fahrzeit der Erwerbstätigen, desto größer die Belastung, auch weil weniger Zeit zum Regenerieren bleibt. «Die Krankenkassen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema. So haben Pendler laut einer Studie der Techniker Krankenkasse ein höheres Risiko, psychisch zu erkranken.

Was uns besonders stresst, sind die Unwägbarkeiten des Weges. Vor allem die Ohnmacht, einem möglichen Stau ausgeliefert zu sein, empfinden die Fahrer von der «Zerreißprobe» bis hin zum regelrechten «Albtraum».

Im Stau kann Pendeln zum Alptraum werden

Wer innerlich grollt und sich noch lange darüber ärgert, dass der Fahrer hinter ihm unbedingt herausfinden mussten, wie dicht er drängeln kann, der schüttet permanent Hormone wie Adrenalin und Noradrenalin aus. Und die steigern im Übermaß Blutfett- sowie Zuckerwerte.

Pendler-Amnesie

Wer also morgens chronisch Rot und Rotlichter sieht, lebt mit einem deutlich erhöhten Risiko eines Tages einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Manch Gestresste können sich hinterher nicht einmal mehr an gefahrene Streckenabschnitte erinnern und leiden an «Pendler-Amnesie», wie das Phänomen auch genannt wird.

Ganz abgesehen davon, dass sie anschließend gerädert und gereizt auf der Arbeit erscheinen.

Das ist aber wieder eine andere Geschichte.

Pendeln: Fahrerei schlägt auf die Gesundheit
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Sandra Frank

Über Sandra Frank

Unternehmensberaterin «DieGesundheitsStrategen»

Kommentare

  1. Susan R.

    9. April 2017 at 10:12

    Das Pendeln nicht gesundheitsfördernd ist, ist wohl unbestritten. Nur ist es nicht so, dass viele gar keine Wahl haben und pendeln müssen?

  2. Ralf Wuzel

    Ralf Wuzel

    9. April 2017 at 13:16

    Zwölf Jahre Bundeswehr war pendeln im größeren Stil. Ich weiß, wie belastend dies für die eigene Gesundheit, vor allem aber auch für die Partnerschaft ist,

  3. Urs Schlegel

    9. April 2017 at 13:52

    Ich pendelte über 7 Jahre mit durchschnittlich 5000 km Autofahrt im Monat nur für den Arbeitsweg (2x 1.5 Std). Da waren 16-18 Stundentage die Normalität. Das geht an die Substanz und an ein geregeltes Privatleben war damals nicht zu denken.

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