Die neue Form des Essens

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Schon zu Zeiten der Dinosaurier galt: Nirgendwo ist der Tisch so reich gedeckt wie an der Spitze der Nahrungskette. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn wir seit Kurzem den Platz der Urzeitriesen für uns beanspruchen.

Die Köstlichkeiten, die Mutter Natur für uns bereithält, sind vielfältiger denn je – insbesondere weil wir über die Jahrhunderte und Jahrtausende erkannt haben, dass Dinge wie Kaffee bekömmlicher werden, wenn man sie röstet, und Dinge wie Kartoffeln besser schmecken, wenn man sie kocht. Wir lebten lange Zeit im Schlaraffenland.

Doch eines Tages passierte es: Wir waren unzufrieden mit dem Angebot. Wir stellten plötzlich immer neue Anforderungen an unsere Nahrung: Sie musste noch vielfältiger werden, noch resistenter, schöner und haltbarer. Fast Food musste genauso schnell herzustellen wie zu verzehren sein. Convenience Food machte soziale Orte wie Küchen überflüssig: Backofen und Mikrowelle nahmen uns von nun an Abend für Abend die Arbeit nach der Arbeit ab. Das Zeitalter der Chemie in der Welt der Lebensmittel hatte begonnen.

Musterbeispiel Apfel

Eines Tages ließen sich nur noch Bilderbuchäpfel verkaufen. Druckstellen und ähnliche abschreckende Makel lehnt der Verbraucher heute rigoros ab. Die Züchtungsziele und Behandlungsmethoden der wachsenden Pflanzen orientieren sich am Kundenwunsch, der den Kunden allerdings vorher «eingepflanzt» wurde. Äpfel sind heute wie iPads: Niemand hat sie lautstark gefordert – bis jemand kam und den Leuten klarmachte, dass das Leben mit ihnen schöner ist.

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Bio-Brokkoli mit Genen des japanischen Rettichs. Kann es geben, sagen Bio-Verbände – ohne, dass dies unter Gentechnik falle. Foto © Marc Müller/dpa

Die Gentechnik schreitet voran und übernimmt immer mehr Anteile auf unserem gedeckten Tisch. Es ist der Wissenschaft schon längst gelungen, Pflanzen zu züchten, die ihre eigenen Insektizide produzieren. Aber es ist wie immer im Leben: Die Hersteller von Genäpfeln, die Insektizide enthalten, garantieren, dass der Verzehr solcher Produkte absolut unbedenklich ist. Müssen sie auch behaupten, wenn sie überleben möchten. Die Argumente sind am Ende dieselben wie die der Tabak- und der Zuckerkonzerne.

Apropos Zucker

Heute weiß jeder, wie gefährlich der übermäßige Verzehr von Zucker ist. Trotz allem behauptet die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V., die die Interessen der Zuckerindustrie vertritt, allen Ernstes, dass Zucker gesund sei, und sucht unaufhaltsam nach guten Argumenten, um diese Behauptung zu untermauern. Hier sind zwei davon:

1. Ärzte behandeln Brandopfer durch das Aufträufeln von Zuckerlösungen.
(Zucker ist also eine Medizin – genauso wie vor 40 Jahren die Zigaretten.)

2. Eine dem Menschen angeborene Süßpräferenz dient der Sicherheit,
ja sogar dem Überleben, denn Giftiges schmeckt schließlich selten süß.

Daraus den Schluss zu ziehen, dass intensiver Zuckerverzehr für den Stoffwechsel gesund sein muss, ist schon recht abenteuerlich. Aber auch in Sachen Manipulation gilt: Der stete Tropfen höhlt den Stein.

Ihr Ralf Wuzel

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Die neue Form des Essens
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